Verpatzter Berufsstart

2. März 2009, 17:58
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Immer mehr Firmen sagten der Lehrausbildung ade und hofften, sich die Facharbeiter von irgendwo herzuholen - Von Johanna Ruzicka

Schon in der letzten Hochkonjunktur war das duale Ausbildungssystem, bei dem Lehrlinge eine Berufsschule besuchen und ansonsten beim Lehrherrn arbeiten, keine rechte Erfolgsstory mehr. Auf beiden Enden bröckelte es.

Immer mehr Firmen sagten der Lehrausbildung ade und hofften, sich die Facharbeiter, die laut Polit-Diktion das Rückgrat unserer Wirtschaft ausmachen, von irgendwo herzuholen: aus dem Osten, vom Konkurrenzbetrieb, der noch ausbildet oder von einer der vielen Fachschulen, die in den letzten Jahrzehnten vermehrt qualitative Fachausbildungen anzubieten begannen. Gleichzeitig zeigten auch viele ambitionierte Jugendliche (oder deren Eltern) kein Interesse daran, ihre Karriere mit einer angeblich so angesehenen und zukunftssicheren Lehre zu beginnen.

Angesprochen und in ihren Konsequenzen diskutiert wurde diese Imagelücke des Lehrberufes nicht. Das von der Politik weiterhin hochgelobte duale Ausbildungssystem wurde klammheimlich zu einem Instrument der Arbeitsmarktpolitik, bei dem die Jugendlichen untergebracht wurden, die sonst nirgendwo unterkamen - Ausnahmen bestätigen die Regel.

Und das funktionierte sogar, zumindest in den guten Zeiten. Jetzt, in der Wirtschaftskrise, bricht dieses System zusammen. Leichten Herzens verzichten ehemalige Lehrherren darauf, meist unwillige Jugendliche auszubilden. Man kann es dem Arbeitgeber nicht einmal verdenken: Es gibt modernere Wege auszubilden. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.03.2009)

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