Das Glück der Männer und das Seelenheil ihrer Frauen

2. März 2009, 18:36
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Mit dem konservativen Broadwaymusical „Guys and Dolls" gelingt der Volksoper trotz mancher Schwäche ein weiterer Publikumserfolg

Wien - Die Typen heißen Benny Banana, Harry der Hengst oder Angie der Ochs. Sie betreiben auf der New Yorker Vergnügungsmeile munter ihre undurchsichtigen Geschäfte mit kleineren und größeren Gaunern, die ihr Hütchenspiel in einem Kinderwagen verbergen und bei schlechter Laune ihren Widersachern in dunklen Seitengassen mit blankpolierten Revolvern das Licht auspusten.

Zwischen bunt blinkenden Leuchtreklamen und tief in die Volksopernbühne hineinhängenden Theaterfassaden tanzen diese Fred Astaires der schummrigen Hinterhöfe (in der flotten Choreografie von Ramesh Nair) fröhlichen Rennplatzdamen und Nachtklubmädchen in die Arme - aber auch streng uniformierten Heilsarmistinnen. In Frank Loessers Musical aus den Fünfzigerjahren Guys and Dolls hat ein schüchternes Mädchen (Johanna Arrouas als Sarah Brown) eine Mission gleich in nächster Nähe des teuflisch lockenden Unheils aufgeschlagen.

Den Spielern ihre Sünden aufzuzeigen ist ein undankbarer Job, den ihr überraschend ausgerechnet der geschickteste Wettmeister Sky Masterson (ein beglückendes Volksopern-Debüt von Axel Herrig) zu erleichtern vermag: Auf Schuldscheine wird ein wahrer Spieler auch seine Seele schreiben. Und wenn am Ende die Bank gewinnt, drängen die geknechteten Sünder in Scharen in Miss Sarahs Gebetsstube und heben mit ihren rauchig-gurrenden Stimmen zu kehligen Lobgesängen an. Nach einer Erzählung von Damon Runyon, einem Journalisten, der in den 20er-Jahren seine Sammlung mit Geschichten über New Yorker Ganoven herausgab, dreht sich in Guys and Dolls alles um das Glück der Männer und ihre Frauen, die ihnen selbiges missgönnen.

Berüchtigter Würfelkönig

Nathan Detroit (Robert Meyer) ist der König der Würfelkünstler, seine Spiele wecken breites Interesse - auch bei der Stadtpolizei. Eine sichere Location für die Turniere ist schwierig und nur gegen hohe Geldsummen zu bekommen. Um Letztere flüssig machen zu können, geht er eine Wette mit dem berüchtigten Sky ein: dass es diesem nicht gelänge, sich die Missionarin Sarah hörig zu machen. Am anderen Pärchenstrang ziehen Nathan und die stramme Mutter des „Hot Box"-Nachtklubs Adelaide (Sigrid Hauser), die nach 14 Jahren Verlobung chronischen Hinhalte-Schnupfen bekommen hat. Sie soll später der verliebten Sarah alles beibringen, was resolute Frauen im Umgang mit vergnügungsfreudigen Männern wissen müssen.

Für die Volksopernpremiere am Sonntag haben Alexander Kuchinka und Christoph Wagner-Trenkwitz die Liedtexte und Dialoge mäßig erfolgreich einer Frischekur unterzogen: Zwar wird nun um Vorteile des Apfel- gegenüber des Topfenstrudels gewettet, das Gaunermundwerk kommt nichtsdestotrotz bieder daher. Die Regie von Heinz Marecek verdankt den rasanten, filmisch bunten (Bühne: Sam Madwar) ersten Akt zuförderst den tadellosen Ensemblechoreografien Nairs und Joseph R. Olefirowicz, der das Volksopernorchester zugleich energisch und federleicht durch die großen, swingenden Nummern Loessers führt.

Spätestens nach der Pause fällt die Spannung aber in sich zusammen, wie ein aus falschen Assen geschlichtetes Kartenhaus. Marecek konzentriert sich ausschließlich auf die Schrulligkeit seiner Figuren (Operndirektor Meyer spielt sein wie gewohnt nölend um Gunst heischendes Schlitzohr, Hauser gibt eine piepsend trippelnde Slapstick-Tante), ohne die Charaktere weiterzuentwickeln und die im Kern doch rasch erzählte Handlung noch anzustupsen. Dennoch ein garantierter Publikumserfolg. (Isabella Hager/DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2009)

 

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    Einen Bacardi zu viel getrunken hat die strenge Missionarin Sarah (Johanna Arrouas) mit dem König der Wetten, Sky Masterson (Axel Herrig).

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