ÖGB-Frauen geben sich bescheiden

2. März 2009, 17:53
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Die Frauenvorsitzende soll künftig nicht automatisch ÖGB-Vize­präsidentin sein. Dies sei eine strukturelle Schwächung der Frauen, fürchtet Ex-Frauenchefin Irmgard Schmidleithner

Wien - Im Grunde ist der Beschluss vom Jänner die Festschreibung längst geschaffener Fakten: Schon jetzt ist ÖGB-Vizechefin Roswitha Bachner nicht gleichzeitig die Frauenvorsitzende. Dies passierte aber aus einer Verlegenheit heraus: Bachner war im Jänner 2007 zur Vizepräsidentin gekürt worden, nachdem die umstrittene ÖGB-Frauenchefin Renate Csörgits gescheitert war. Bachner geht heuer in Pension - eine neue Vizepräsidentin wird also gesucht. Csörgits zieht sich ebenfalls zurück - das bedeutet, auch die Frauenorganisation braucht eine neue Chefin. Im Gespräch dafür sind Kurzzeit-Frauenministerin Heidrun Silhavy und „vida"-Frau Elisabeth Vondrasek. Die neue ÖGB-Frauenchefin soll am 3. Juni gekürt werden, die neue ÖGB-Führung beim Bundeskongress Anfang Juli.

Die ÖGB-Frauen sehen im Verzicht auf die Vize-Funktion offenbar keinen Nachteil: Seit 2006 gilt eine Quotenregelung, wonach ein Drittel der Spitzengremien mit Frauen zu besetzen ist. Es komme auf die „handelnden Personen" an, sagt Bachner: „Wenn die Frauen gute Netzwerke knüpfen, kann dieses Modell funktionieren."

Eine profilierte ehemalige ÖGB-Frauenpolitikerin sieht dagegen ein großes Problem: Irmgard Schmidleithner, langjährige ÖGB-Frauenchefin bis 1999, hält den Beschluss für „fatal". „Das ist eine strukturelle Schwächung der Frauen", sagt sie. Es gehe darum, welche Stellung Frauenanliegen künftig im ÖGB hätten - und welche Wirkung der Beschluss nach außen entfalte. Schmidleithner: „Die Gefahr besteht, dass die Vizepräsidentin, wenn sie aus einer Teilgewerkschaft kommt, dann auch primär deren Interessen als Hauptaufgabe ansieht - und nicht jene der Frauen." Sie selbst habe sich, etwa bei der Absicherung der prekären Beschäftigungsverhältnisse, oft gegen die Teilgewerkschaften durchsetzen müssen. Schmidleithner: „Das ist mir nur als ÖGB-Vizepräsidentin gelungen." Bachner beruhigt: „Wir haben diesen Versuch auf eine Periode begrenzt." Die Überlegung sei, dass sich die neue ÖGB-Frauenchefin „voll auf die neue Position konzentrieren" solle. Bewähre sich der Versuch nicht, werde man „neu diskutieren".

Noch ist man nicht so weit: Die ÖGB-Frauen haben erst einmal ein „Anforderungsprofil" für ihre künftige Vorsitzende erstellt. Im Bewerbungsprofil sind Fähigkeiten aufgelistet wie etwa: „Kommunikationsfähigkeit", „Teamfähigkeit", „Medienarbeit", aber auch „Konfliktfähigkeit". Unterschrieben hat den Brief Noch-Frauenvorsitzende Renate Csörgits. Sie war für den Standard nicht erreichbar. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Print, 3.3.2009)

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    Roswitha Bachner, Renate Csörgits: Der Generationen- bringt auch einen Paradigmenwechsel. Die ÖGB-Frauenorganisation verzichtet vorerst freiwillig auf die Position der Vizevorsitzenden.

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