"Wer net fleißig ist: Außi!"

2. März 2009, 17:48
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Spurensuche auf der BZÖ-Siegesfeier nach orangen Wahlmotiven

Der Erfolg hat viele Väter, die Niederlage die Einsamkeit. Allein, nur mit seiner Landesrätin Nicole Cernic an der Seite, sitzt SPÖ-Chef Reinhart Rohr am späten Abend dieses denkwürdigen Wahlsonntags in seinem Büro am Arnulfplatz 1 in der Kärntner Landesregierung und grübelt. Warum? Warum dieses Debakel?

Rohr ist ratlos. Noch 24 Stunden zuvor in der Nacht auf Sonntag habe er Umfragen in die Hand bekommen, die ihn an erster Stelle prognostizierten. "Irrational das Ergebnis" , es sei nur mit dem "Haider-Effekt" erklärbar. Rohr: "Da wurde wohl ein Kerzerl in der Wahlzelle mitangezündet."
Szenenwechsel ins Wirtshaus Wienerroither. "Natürlich hat Haider eine Rolle gespielt, aber nicht nur" , sagt die stattliche Pensionistin Johanna M., die hierher zur Siegesfeier des BZÖ gestoßen ist. Warum sie aus SPÖ-Haus kommend nicht die Roten gewählt habe? "Ich bin einfach angefressen von Rot aber auch Schwarz, weil man nur angelogen wird."

"Genau der Richtige"

"Der sympathische" BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler sei "genau der Richtige in diesen schwierigen Zeiten" , weil er die kleinen Menschen kennt" . "Der Jörg" stehe natürlich über allem: "Ich war gestern noch an der Unfallstelle und habe zwei Kerzen angezündet."
"Ja, er ist noch immer unter uns, der Jörg" , pflichtet der pensionierte Versicherungskaufmann Karl Zmerzlikar bei, der sich gezwungen sieht, zu erklären, dass sein Namen zwar slowenisch sei, er selbst "aber eh nicht wirklich ..." Er habe Dörfler gewählt, weil er "ein Mann der Basis" sei. Dörfler signalisiere: "Ich bin ein kleiner Mann, einer von euch und kein Smokingpolitiker."

Weg vom SPÖ-Apparat

Dieses Gefühl neuer Basisverbundenheit überkam auch Sonja Mischke. "Schlechte Erfahrungen mit den "Apparatschiks der SPÖ" hätten sie zum BZÖ gebracht, sagt die diplomierte Krankenschwester, die 15 Jahre in einem SPÖ-Verein gearbeitet hatte. Im BZÖ habe sie gesehen, "dass dort wirklich etwas für die Menschen getan wird" . Wie das mit der brutalen Asylpolitik des BZÖ zusammenpasse? Mischke: "Wir brauchen keine kriminellen Asylanten. Aber zur Sonderanstalt Saualpe: Viele von uns können sich so schöne Zimmer gar nicht leisten, wie die da oben haben."

Es ist keine überschwänglicher Jubelparty, die hier im Wienerroither abgeht. Irgendwie scheint man fast irritiert zu sein, von der Überfülle an Macht, die da angespült worden ist. BZÖ-Wahlkampfleiter Stefan Petzer, begleitet von der Führungscrew, stolziert gelassen mit schickem weißen Schal um den Hals durchs Lokal und lässt sich schmunzelt auf die Schulter klopfen.

Die junge Szene

Im Wirtshaus trinkt ein repräsentative Kärntner Querschnitt: Pensionisten, Unternehmer, Arbeiter, Beamte. Ob gelackt, gepierct, mit langen oder kurzgeschoren Haaren, ob in Jean oder Designerkluft: vor allem auch junge, ganz junge Kärntnerinnen und Kärntner drängen sich um die neuen BZÖ-Stars. Orange ist chic -, und viel weiter wird dies gar nicht reflektiert. Oder sie werden schlicht verdrängt, die dunklen Seiten der BZÖ-Macht.

Oralnuh ist gebürtiger Türke und hat einen Kebabstand in der Innenstadt. "Natürlich" habe er Dörfler gewählt. Leider sei der Jörg heute nicht da. Aber auch "sein Sohn Dörfler" mache "gute Arbeit, er ist für jeden da" . Wirklich für jeden?

Was ist mit den Asylsuchenden die er außer Landes bringen wolle, was mit der Saualm? Oralnuh: "Das macht nicht das BZÖ. Das sind die anderen. Wer fleißig ist und arbeitet, der kann ruhig hierbleiben. Die anderen aber: ,Außi'" . (Walter Müller/DER STANDARD Printausgabe, 3. März 2009)

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    Wahlkampfleiter Stefan Petzner ließ sich gelassen huldigen.

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