Bauern rufen nach dem Staat

2. März 2009, 17:36
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Der Milchüberschuss wirft die Märkte aus dem Gleichgewicht

Wien - Die Milchwirtschaft kommt nicht zur Ruhe. In Italien demonstrierten am Montag tausende Bauern vor der Villa des Regierungschefs Silvio Berlusconi in Mailand gegen die neuen Milchquoten. In Österreich stehen mittlerweile gut 400 Landwirte ohne Abnehmer da. Da wie dort hoffen die Bauern auf ein Einlenken der Politik: Es gelte, die massiven Milchüberschüsse in der EU einzudämmen, den Verfall der Preise zu bremsen, die Existenz kleiner Bauernhöfe zu sichern.

Ernst Halbmayr ist einer der etlichen hundert Bauern aus der Region Waidhofen, die ab Ende März nicht mehr wissen, wohin mit ihrer Milch. "Hier sind alle nervös, wir haben im Grünland keine Alternativen", sagt der IG Milch-Vertreter. Es müsse eine Lösung geben. Kein Politiker könne es sich leisten, die Bauern im Regen stehen zu lassen.

Die Molkerei Seifried hat ihnen die Verträge gekündigt. Ihr wiederum hat Diskonter Hofer vor zwei Wochen ohne jede Vorwarnung, so heißt es, die Zusammenarbeit gekündigt. Damit bricht ab April die Hälfte ihres Absatzes weg.

"Zurück zum Ursprung"

Hofer stellt seine Marke "Zurück zum Ursprung" bis Sommer im Eilzugstempo auf Bio um. Das bisherige Biolabel "Natur Aktiv" soll aus dem Milchregal verschwinden, sagen Marktkenner. Sie sehen Berglandmilch ihre Lieferungen für die Kette ausbauen. Seifried hingegen fehlt es an der von Hofer geforderten Bio-Bergbauern-Heumilch.

Ihre Abnehmer verloren haben auch Bauern im Burgenland und in Salzburg. Finden sie aufgrund des Marktüberschusses keine österreichischen Molkereien für die insgesamt gut 40 Millionen Liter Milch, bleibt nur der Weg ins Ausland, so Halbmayr. Das freilich zu Billigstpreisen. Für die Differenz im Einkommen müsse dann der Staat aufkommen, fordert er. Denn die Politik habe den Bauern diese Situation letztlich ja auch eingebrockt.

Johann Költringer vom Verband der Milchverarbeiter sieht die betroffenen Landwirte zwischen den Stühlen. Nun räche sich ihr häufiger Wechsel zwischen den Molkereien, glaubt er. In Zeiten wie diesen bewähre sich aus seiner Sicht eben das genossenschaftliche Modell, da stehe man "in guten wie in schlechten Zeiten" zueinander.

Rohmilch ist an den Spotmärkten derzeit um magere 20 Cent zu haben. In Österreich brach der Ab-Hof-Preis von bis zu 45 Cent vor einem Jahr auf rund 30 Cent ein. In Österreich hat sich der sinkende Milchkonsum stabilisiert. Die EU kämpft weiter mit rückläufigen Exporten. Lebensmittelhersteller etwa haben Rezepturen verändert. Pflanzenfette ersetzen Milch in Produkten wie Eis und Pizza. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2009)

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    Wohin mit der Milch? Aufgrund der niedrigen Preise verfüttert manch Bauer sie lieber, anstatt sie an die Molkerei zu liefern.

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