Drittes Todesurteil für "Chemical Ali"

2. März 2009, 17:05
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Saddams Vizepremier Tarik Aziz freigesprochen

Bagdad - Ali Hassan al-Majid, Cousin Saddam Husseins und wegen seiner Rolle bei den Giftgasangriffen 1988 gegen irakische Kurden "Chemical Ali" genannt, hat am Montag sein drittes Todesurteil ausgefasst. Gegen zwei Mitangeklagte wurden ebenfalls Todesstrafen verhängt, Saddams Sekretär Abed Hamid wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Tarik Aziz, langjähriger Außenminister und Vizepremier und einziger Christ in der früheren irakischen Führung, wurde freigesprochen.

Bei dem jüngsten Prozess ging es um an schiitischen Gläubigen verübte Verbrechen, dem sogenannten "Freitagsgebete" -Fall. Im Februar 1999 war der populäre Schiitengeistliche Muhammad Sadik al-Sadr, der in den 1990ern bei seinen Predigten vermehrt das Regime kritisiert hatte, mit zweien seiner Söhne im Auftrag Saddams ermordet worden. Anschließende Schiitenunruhen wurden brutal niedergeschlagen. Der einzige überlebende Sohn Muhammad Sadik al-Sadrs ist der radikale Schiitenführer Muktada al-Sadr.

Ali Hassan Majid wurde, anders als Saddam und zwei andere, noch nicht hingerichtet: Die USA haben ihn und seinen Mitverurteilten, den sunnitischen Exverteidigungsminister Sultan Hashim, den Irakern bisher nicht übergeben. Für den Fall der Hinrichtung Sultan Hashims fürchteten sie ein Entgleisen des schiitisch-sunnitischen Versöhnungsprozesses. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2009)

 

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