Verdächtiger endgültig freigesprochen

2. März 2009, 16:52
posten

Aus Mangel an Beweisen - Von 1994 bis 2006 hatten explodierte Sprengkörper an öffentlichen Orten immer wieder Menschen schwer verletzt

Die Ermittlungen gegen den italienischen "Unabomber", jenen Sprengfallenbastler, der seit 13 Jahren den Nord-Osten Italiens terrorisiert, haben offenbar in einer Sackgasse geendet. Ein Untersuchungsrichter in Triest hat den bisher einzigen Verdächtigen, einen 51-jährigen Ingenieur, endgültig freigesprochen, wie die Staatsanwaltschaft bereits am 30. Dezember verlangt hatte.

Der Untersuchungsrichter urteilte, dass es kein Belastungsmaterial gegen den Ingenieur gebe, der bei einer Waffenfirma gearbeitet hat und eine Leidenschaft für Mechanik und Chemie hegt. Ein Gutachten der Polizei war zu dem Schluss gekommen, dass die Sprengkörper nicht mit Scheren und anderem Material gebastelt worden seien, die in der Wohnung des Verdächtigen in Friaul beschlagnahmt worden waren. "Endlich kann ich frei atmen. Ich bin ein freier Mensch, ein Alptraum ist zu Ende", sagte der Ingenieur, der stets seine Unschuld beteuert hatte.

Die Staatsanwaltschaften der vier norditalienischen Städte Pordenone, Udine, Venedig und Treviso versuchten bisher vergebens, dem geheimnisvollen Sprengfallenbauer auf die Spur zu kommen. Erstmals tauchte der italienische "Unabomber" am 21. August 1994 auf. Bei einem Volksfest in Sacile bei Pordenone explodierte eine Rohrbombe, die drei Personen verletzte. Weitere Sprengkörper dieser Art gingen in den folgenden Monaten vor einem Supermarkt in Pordenone sowie vor der Kirche der friaulischen Stadt Aviano in die Luft, wo sich ein US-Militärstützpunkt befindet. Weitere vier Rohrbomben detonierten in der Provinz Pordenone, ohne jemanden zu verletzen.

Bei der Explosion einer Rohrbombe am Strand des Badeorts Lignano wurde am 4. August 1996 ein 33-jähriger Urlauber schwer verletzt. Mehrere Sprengkörper derselben Art detonierten in den folgenden Tagen in mehreren Badeorten der Gegend. Im Juli 2000 wurde ein pensionierter Carabiniere in Lignano lebensgefährlich verletzt, nachdem der Sprengsatz in seinen Händen gezündet hatte. 2004 war ein Textmarker in der Hand eines kleinen Mädchens explodiert, das schwer verletzt wurde.

Zuletzt hatte der "Unabomber" angeblich im Mai 2006 zugeschlagen. Ein in einer Wasserflasche getarnter Sprengkörper war in Caorle explodiert und hatte dabei einen 28-Jährigen verletzt. Die Flasche, in der sich ein Papierzettel befand, war zwischen den Felsen unweit des Meeres versteckt. (APA)

Share if you care.