"Symmetrien des Abschieds"

2. März 2009, 16:49
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Projekt von Carmen Brucic als zweitägige spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Abschied - Intime Dialoge mit über 120 "Abschiedsexperten"

Wien - Ehe sich Burgtheater-Direktor Klaus Bachler mit Ende der Saison nach einer Dekade vom Haus verabschiedet, beschäftigt sich das Burgtheater Ende März in einer zweitägigen Veranstaltung mit "Symmetrien des Abschieds". So nennt die 1972 geborene Tiroler Künstlerin Carmen Brucic einen "Kongress", mit dem sie am 27. und 28. März das gesamte Haus am Ring jeweils von 20 bis 24 Uhr mit Leben füllen möchte. Details zu dem Projekt wurden heute, Montag, Nachmittag vorgestellt.

"Abschied ist ganz wichtig"

"Rückschau ist nicht meine Sache. Abschied ist meine Sache. Abschied ist ganz wichtig", versicherte Bachler. "Die Seele nimmt Schaden, wenn man sich davonstiehlt. Jeder Neubeginn ist nur möglich, wenn es auch einen Abschied gegeben hat." Außerdem zähle der Abschied zu den großen Themen der Literatur. Der Abend sei "ein Kommunikationsversuch mit dem Publikum", das sich aktiv beteiligen soll, so der Direktor. "Wir versuchen, den Besucher auf eine Reise auf eine Reise ins Unterbewusste zu schicken", erläuterte Brucic. Die Besucher werden mit eigenen "Pulslichtern" ausgestattet und können sich ihre Reise durch das Haus selbst zusammenstellen.

"Symmetrien des Abschieds" soll "eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Abschied" werden, ein "Abschiedsfest an zwei Abenden, an denen sich künstlerische und wissenschaftliche Ansätze zu einem sinnlichen Gesamtkunstwerk verbinden", heißt es in den Unterlagen. Herzstück der Veranstaltung sei das Angebot zu intimen Logen-Gesprächen mit über 120 "Abschiedsexperten": "Sie kommen aus dem Theater, der Kunst, dem Film, der Musik oder den Medien, sie sind Forscher, Erfinder, Ärzte, Psychologen, Theologen, Ingenieure, Pensionisten, Manager, Rechtsanwälte, Regisseure, Sozialarbeiter, Professoren, Individualisten, arbeiten für Museen, Bestattungsunternehmen, Atomkraftwerke oder die Kriminalpolizei".

"Abschiedsexperten"

Erwartet werden u.a. Bachler selbst, die Ex-Boku-Rektorin Ingela Bruner, Ute Bock, Carl Djerassi, Johanna Dohnal, die "Sahara-Geiseln" Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber, Johann Fleischer, der Betreuer des eingemotteten AKW Zwentendorf, Autor Franz Schuh, Banker Rudolf Scholten, Rene Pollesch, die Museumsdirektoren Edelbert Köb, Klaus Albrecht Schröder und Gabriele Zuna-Kratky, Judoka Peter Seisenbacher, Herz-Chirurg Raimund Margreiter, Datenschützer Hans Zeger oder Filmerin Elisabeth T. Spira. Aber eigentlich "ist jeder Mensch ein Abschiedsexperte - oder könnte es werden", sagte Brucic.

Die rund 25-minütigen Gespräche, die vor Ort über einen "Check-in-Terminal" buchbar sein werden, erinnern an eine Installation der Wiener Festwochen 2008: Die Künstlerin Hannah Hurtzig hatte dafür im Odeon einen "Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen" etabliert und dabei ebenfalls Expertengespräche vermittelt. Die Ähnlichkeit der beiden Projekte sei Zufall, versicherte Brucic, sie habe ihr Projekt bereits 2006 dem Burgtheater vorgeschlagen gehabt.

Abschiedsszenen

Neben den Gesprächen werden Performances, Musik, Tanz, Installationen und Filme angeboten. Besucher können im "Momenttheater" mit Burgschauspielern große Abschiedsszenen der Weltliteratur nachspielen, Burgtheaterschauspieler verabschieden sich von ihren Lieblingsszenen der Amtszeit von Klaus Bachler. Internationale Performance- und Tanzkünstler wie Miet Warlop, Lies Vanborm, Doris Uhlich, Louise Mac Donald und Philipp Mosetter haben zu den "Symmetrien des Abschieds" eigene Skizzen entwickelt, im Erzherzogzimmer gibt es die Installation "Anleitung zur Erschießung eines Kaisers", und kurz vor Mitternacht sollen die Besucher in Abschiedsbilder eingebunden werden.

Carmen Maria Brucic besuchte die Kunstgewerbeschule in Innsbruck und die Universität für Angewandte Kunst in Wien. Sie ist Mitglied der Künstlergruppe "Wochenklausur", Gründerin des Künstlerkollektivs "Heavy Girls Lighten" und Mitarbeiterin von Christoph Schlingensief. Mit dem "Lovepangs"-Kongress an der Berliner Volksbühne startete sie 2001 ein Langzeit-Kunstprojekt. (APA)

 

 

"Symmetrien des Abschieds", Burgtheater, 27. und 28. März, jeweils von 20 bis 24 Uhr; #

Link

symmetriendesabschieds.at

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