Neue Bezirksgrenzen: Wieden schrumpft

2. März 2009, 14:16
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Anteile am Naschmarkt und Hauptbahnhofgelände werden abgetreten - Vergrößerung beim Karlsplatz möglich

Wien - Die Wieden schrumpft: Wiens 4. Bezirk wird heuer sowohl seinen kleinen Anteil am Naschmarkt als auch den am Stadtentwicklungsgebiet Hauptbahnhof abtreten. Bezirksvorsteherin Susanne Reichard (ÖVP) sah die Verkleinerung ihres Machtbereichs im APA-Gespräch jedoch relativ unsentimental: "Die Wieden wird nicht kleiner, sie wird klarer." Schließlich würden die Grenzziehungen eindeutiger. Außerdem gibt es auch Hoffnung für die Wiedener: Noch heuer könnten sie von der Inneren Stadt deren Anteil am Resselpark erhalten.

Bereits zur öffentlichen Einsicht liegt die Grenzänderung zwischen der Wieden und Mariahilf aus, wonach dem 6. Bezirk komplett das Naschmarkt-Areal zugesprochen wird. Derzeit läuft die Grenze direkt durch den Markt, weshalb die Stände teils im einen, teils im anderen Bezirk liegen, was die infrastrukturelle Verwaltung erschwert. Nun rückt die Wieden bis zur Gehsteigkante der Rechten Wienzeile ab und gibt ihre Naschmarkt-Reihe auf.

Ähnlich wird man auch im Zuge der Errichtung des neuen Hauptbahnhofs vorgehen, wie am Montag bekannt wurde. Derzeit läuft die Grenze zu Favoriten an der Gebäudefront des Südbahnhofs. Auch hier zieht sich die Wieden an den Randstein zurück und überlässt dem 10 Bezirk das Feld. Hierdurch soll es den Bauträgern bei Bewilligungsverfahren leichter gemacht werden. Die Wieden soll bei wesentlichen Entscheidungen im Stadtentwicklungsgebiet dennoch weiterhin einbezogen werden, was etwa die Änderung von Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen oder die Errichtung von Betriebsanlagen betrifft.

Grenzverschiebungen noch im ersten Halbjahr

Durch die beiden Maßnahmen werden einige Tausend Quadratmeter Wiedener Bodens künftig unter Favoriten oder Mariahilf firmieren. Dafür hat Bezirkschefin Reichard ein Ass im Ärmel: "Zur Inneren Stadt läuft die Grenzziehung quasi quer durch die Blumenbeete." Gemeint ist der Resselpark am Karlsplatz. Und hier dürfte die Wieden Fläche hinzugewinnen, wenn die Grenze zur Lothringerstraße verschoben wird. Sie gehe davon aus, dass alle drei Grenzverschiebungen noch im ersten Halbjahr offiziell umgesetzt werden können, so Reichart. Insofern bedauere sie es auch nicht, an den beiden Imageträgern Naschmarkt und Hauptbahnhof nicht mehr beteiligt zu sein: "Ich sehe das ganz pragmatisch."

Überhaupt sind Verkleinerungen in der Wiedener Geschichte nichts Ungewohntes. Nachdem der Bezirk 1850 durch Eingemeindung mehrerer Vorstädte entstanden war, wurde er bereits 1861 wieder geteilt und verlor einen Teil seiner Fläche an den neuen Nachbarn Margareten. Heute ist die Wieden mit ihren 180 Hektar nach der Josefstadt (108 ha), Mariahilf (148 ha) und Neubau (161 ha) der viertkleinste Bezirk Wiens. (APA)

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