Expertengruppe hat sich konstituiert

2. März 2009, 14:10
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Bis Jahresende soll das von Hahn und Schmied eingesetzte Gremium Eckpunkte der Reform erarbeiten

Wien - Die von Unterrichtsministerin Claudia Schmied  und Wissenschaftsminister Johannes Hahn  eingesetzte Expertengruppe für die Neugestaltung der Lehrer-Ausbildung in Österreich hat sich bei ihrer ersten Sitzung in Wien konstituiert. Bis Jahresende soll das Gremium die Eckpunkte der Reform erarbeiten. Der Leiter der Gruppe, Peter Härtel, nannte im Gespräch mit der APA als eines der Ziele die "Auflösung der rechtlichen und organisatorischen Wände", die es zwischen den derzeitigen Lehrerbildungs-Einrichtungen - Pädagogischen Hochschulen (PH) und Universitäten - gebe.

Uni-Ausbildung auch für KindergartenpädagogInnen

Seitens der Minister gibt es klare Vorgaben für die Experten: die Ausbildung soll für alle Pädagogen, also auch für Kindergärtner, auf tertiärem Niveau mit den Abschlüssen Bachelor und Master erfolgen. Zudem soll es ein Aufnahmeverfahren in Form einer Studieneingangsphase und eine verstärkte Durchlässigkeit im Lehrberuf zwischen den Schultypen geben. Derzeit werden Pflichtschullehrer an PH, AHS-Lehrer an Universitäten und Kindergartenpädagogen an fünfjährigen höheren Schulen mit Matura als Abschluss ausgebildet.

Pädagogischen Hochschulen vorerst weiterhin eigenständig

Die Pädagogischen Hochschulen solle es - zumindest "in der nächsten Phase der Planung" - auch weiterhin als eigenständige Institutionen neben den Unis geben, betonte Härtel, auch wenn er "nicht prognostizieren will, was wir in 15 Jahren haben werden". Dass die Institutionen bestehen bleiben, bedeutet für den Geschäftsführer der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, der schon der Schulreform-Kommission Schmieds in der letzten Legislaturperiode angehört hat, aber "nicht, dass alles gleich bleibt". So müsse das Lehramtsstudium an den Unis in Richtung Bologna-Architektur - also mit den Abschlüssen Bachelor und Master - weiterentwickelt werden. Derzeit absolvieren Lehramtsstudenten noch ein neunsemestriges Diplomstudium mit dem Abschluss "Magister".

Künftig müssten die Bachelor-Studien an den Unis und jene an den PH "miteinander gedacht werden": Es müsse möglich sein, in Form von Studienmodulen oder Joint Studies zwischen PH und Unis gemeinsame Studien zu gestalten. "Das ist keine Auflösung der Institutionen, aber sehr wohl eine Auflösung der rechtlichen und organisatorischen Wände, die es zwischen den Institutionen gibt", sagte Härtel. Die vorhandenen Kompetenzen und Qualitäten an Unis, PH und anderen relevanten Bildungseinrichtungen müssten "bestmöglich und ressourceneffizentest" genutzt werden.

Bildungsperspektiven für Lehrer

Für welchen Beruf künftig ein Bachelor-Lehramtsstudium an der Uni qualifizieren soll, sei eine "noch zu lösende Frage", sagte Härtel. Derzeit muss man ein neun-semestriges Diplomstudium absolvieren, um etwa an einer AHS unterrichten zu dürfen. Man müsse aber den Bachelor-Absolventen an der Uni auf jeden Fall eine Berufsperspektive eröffnen, "sonst führen wir das Bologna-System ad absurdum". Gleichzeitig müsse man Bachelor-Absolventen aller Lehrerbildungseinrichtungen auch eine Bildungsperspektive bieten, sie müssten sich in einschlägigen Masterstudien weiterqualifizieren können. "Wir wollen auch bildungs- und leistungsstarke junge Leute für den Lehrerberuf anziehen, und die bekommt man nur, wenn man auch Bildungsperspektiven über den Erstabschluss hinaus anbietet", sagte Härtel.

"Qualitativer Anspruch im Vordergrund"

Die Minister hatten bei der Formulierung der Eckpunkte der Reform betont, mit Aufnahmeverfahren die "besten Köpfe" für den Lehrberuf finden zu wollen. Härtel betonte dazu, kein Freund von Superlativen zu sein: "Ich bin schon zufrieden, wenn wir gute und sehr gute Lehrer haben, weil wir auch nicht wissen, wer der 'beste Lehrer' ist". Trotzdem ist für Härtel klar, "dass der qualitative Anspruch im Vordergrund steht". Auch wenn in den nächsten Jahren Zehntausende Lehrer in Pension gehen, dürfen man "nicht in die Schere kommen, aufgrund einer quantitativen Herausforderung qualitative Ziele geringer zu schätzen".

Neben Härtel sind Mitglieder der Expertengruppe: Ulrike Greiner, Rektorin der Kirchlichen PH Wien; Stefan Hopmann, Universität Wien; Bettina Jorzik, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Essen; Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der PH Kärnten; Arthur Mettinger, Vizerektor der Universität Wien; Martin Polaschek, Vizerektor der Universität Graz; Michael Schratz, Universität Innsbruck; Martina Stoll, Charlotte Bühler Institut für praxisorientierte Kleinkindforschung; Willi Stadelmann, Direktor der PH Zentralschweiz und Präsident der Schweizerischen Konferenz der PH-Rektoren. (APA)

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