Brite Ashdown offenbar erneut im Spiel

2. März 2009, 13:57
4 Postings

Verwirrung um Favoriten der USA: "Dnevni avaz" meldet Unterstützung für Ashdown, "Oslobodjenje" für Österreicher Inzko

Sarajevo - Der ehemalige internationale Bosnien-Beauftragte Paddy Ashdown (2002-2006) dürfte erneut im Spiel für das Amt in Sarajevo sein. Wie die Tageszeitung "Dnevni avaz" am Montag unter Berufung auf "mehrere unabhängige Quellen" berichtete, sollen die USA an einem erneuten Einsatz des britischen Diplomaten in Sarajevo interessiert sein. Die Sarajevoer Tageszeitung "Oslobodjenje" hatte dagegen am Sonntag gemeldet, dass die USA der Bestellung des österreichischen Diplomaten Valentin Inzko in dieses Amt zugestimmt hätten. Er habe zuvor bereits die Unterstützung der Europäischen Union erhalten, berichtete das Blatt.

Die Idee, Ashdown erneut in Bosnien einzusetzen, werde vom US-Außenministerium seit einigen Tagen diskret erwogen, während die Europäische Union nicht nur die Bereitschaft der 27-Mitgliedländer teste, die Bestellung Ashdowns zu akzeptieren, sondern auch für seine möglichst schnelle Rückkehr nach Bosnien Lobbying betreibe, will "Dnevni avaz" dagegen am Montag wissen.

Die bosnisch-serbische Regierung hatte sich kürzlich gegen die erneute Bestellung eines britischen Diplomaten in das Amt des Hohen Repräsentanten in Bosnien ausgesprochen und dies mit den "schlechten Erfahrungen" mit Ashdown erläutert. Das Amt in Sarajevo war vor wenigen Wochen vakant geworden, als der bisherige Bosnien-Beauftragte Miroslav Lajcak zum slowakischen Außenminister bestellt worden war.

"Bonn Powers"

Ashdown hatte während seiner Amtszeit wiederholt den Gebrauch von den ihm zustehenden "Bonn Powers", den breiten Befugnissen, gemacht, die ihm die Erlassung von Gesetzen und die Entlassung von Staatsfunktionären ermöglichen, die gegen das Dayton-Friedensabkommen aus dem Jahre 1995 verstoßen.

"Dnevni avaz" berichtete Ende vergangener Woche, dass die USA nicht bereit seien, den österreichischen Diplomaten Inzko für das Amt des internationalen Bosnien-Beauftragten zu akzeptieren. Sie wären demnach an einer "stärkeren politischen Persönlichkeit" interessiert. Der 59-jährige Kärntner Slowene Inzko war 1996 bis 1999 Botschafter in Bosnien-Herzegowina gewesen und leitet derzeit die österreichische Mission in Ljubljana (Laibach).

Der Hohe Repräsentant in Bosnien wird vom Friedensimplementierungsrat bestellt. Russland und die Türkei gehören zusammen mit den USA zu den Nicht-EU-Mitgliedern des Rates. Sowohl Moskau als auch Ankara hatten gemäß früheren Medienberichten die Kandidatur Inzkos unterstützt. (APA)

Share if you care.