Tumorwachstum durch reduzierte Zellatmung

2. März 2009, 14:14
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Grazer Wissenschafter widmen sich einem noch nicht ausreichend untersuchten Aspekt der Krebsforschung

Graz - Während bei Krebserkrankungen früher häufig von einer unkontrollierten Zellvermehrung gesprochen wurde, ist heute klar, dass bei der Mehrzahl der Tumore die sogenannte Apoptose, also das Absterben von Zellen, gestört ist. Wissenschafter rund um Frank Madeo und Christoph Ruckenstuhl vom Institut für Biowissenschaften an der Universität Graz beschäftigen sich mit Mechanismen, die zum kontrollierten Absterben von Zellen führen. Sie untersuchen Hefezellen (Saccharomyces cerevisiae), die Rückschlüsse auf den Menschen erlauben. "Hefezellen sind mit jenen des Menschen gut vergleichbar, vor allem in punkto Zellwachstum", erklärte Madeo. Hefezellen lassen sich im Labor besonders leicht manipulieren und werden daher vielfach als Modellorganismen herangezogen.

Für ein mögliches Wachstum benötigen Tumorzellen Energie. "Krebs ist nichts anderes als ein wildwachsender Zellhaufen, der ungewöhnlich viel Energie verbraucht", schilderte Madeo, der - von Tübingen kommend - seit vier Jahren an der Universität Graz forscht. Die bisherige Forschung habe hauptsächlich auf einen möglichen Zusammenhang zwischen gesteigerter Glycolyse (anaerober Vergärung) in den Zellen und Tumorwachstum fokussiert, während die verminderte Atmungsaktivität weitgehend unbeachtet blieb, so die beiden Forscher. Madeo und Ruckenstuhl konnten nunmehr anhand des Hefemodells zeigen, dass die Reduzierung der Zellatmung den natürlichen Zelltod - die Apoptose - vermindert und Zellen unkontrolliert überleben lässt. Erhöhte Atmungsaktivität würde hingegen das Wachstum von Tumoren hemmen.

Ob mit der neuen Erkenntnis der Kampf gegen Krebs erleichtert wird und sich damit neue Therapie-Möglichkeiten auftun, sind für Madeo - noch - Spekulationen. Der Molekularbiologe verweist jedoch auf Auffälligkeiten: "Interessanterweise ist Ausdauersport eine der besten vorbeugenden Maßnahmen gegen Krebs. Dabei wird sowohl die Sauerstoffversorgung des Körpers erhöht, als auch Zucker verbraucht - beides Gift für die Krebszelle." (APA/red)

 

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