Vom Winde verweht

    2. März 2009, 13:41
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    "Flower": psychedelisches Blumenmeer, Flugtraum und Naturkult machen die PS 3 zum Instrument der Entspannung

    Wind ist toll. Er bläst nicht nur über die Äcker, sondern funktioniert auch bestens als lyrische Metapher: Beim vertonten Wandel der Scorpions ("Wind of Change") wie bei Bob Dylan, der weiß, wo die Antworten hin sind ("blowin' in the wind"). Mit Freiheit, sorgenfreiem Ungebundensein, hat er auch zu tun.

    Blumen sind auch toll. Sie sind nicht nur bunt, sondern bringen von der Leidenschaft der Rosen bis zur Unschuld der Gänseblümchen eine Menge Soft Skills mit. Von der Blumensprache ganz zu schweigen. Und die meisten Menschen finden sie auch noch schön.

    Man könnte eine ganze Kulturgeschichte schreiben über die kreative Verarbeitung dieser Sinnbilder im Dienste der Beruhigung sehnsuchtsvoller Gemüter. Im letzten Kapitel müsste das Entspannungsspiel Flower auftauchen, das Beschaulichkeit in das von irren Fahrten und wilden Kämpfen geprägte Leben mit der Playstation 3 bringt. Flower verbindet Flugtraum mit Naturkult, psychedelisches Farbenspiel mit verstreuten Tönen elektronischer Chill-out-Musik, um grüne Lebensfreude in triste Städte zu bringen.

    Wogen, Rauschen, Klingen

    Mit der knappen Anleitung "Zum Segeln Controller neigen. Für Wind beliebige Taste drücken" pfeift das Spiel auf die fordernden Spring- und Schießorgien konventioneller Konsolenunterhaltung. Als Wind weht der Blickwinkel des Spielers über animiertes Wiesenmeer, um Blumen zu streifen und mit einem Blütenschwarm ergraute Landschaft in übersteuernde Farbtöne zu tauchen. Die Spielherausforderung unterstellt sich dem Wogen, Rauschen und Klingen der Spielatmosphäre.

    Flower ist trotz des betörenden Konzepts kein künstlerisches Statement. Zu gerade, zu sehr aus ästhetischem Gemeinsinn heraus kondensiert erscheint es. Verzichtet man auf die dynamisch abgestimmte Spielmusik, mag die Windsegelei als guter Begleiter der eigenen CD-Sammlung dienen, vom Wiener Walzer über die Rolling Stones ("She's a Rainbow"!) bis zu den Goa-Trance-Beats, die vielleicht seit der letzten Partie ohnehin im Kopf widerhallen. Von den Grafikdetails bleibt Flowers, im Vergleich zu PS3-Blockbustern wie dem Aliengemetzel Killzone 2 unaufwändig, auch wenn sich 200.000 Grashalme in HD-Auflösung wiegen.

    Rückenwind für Playstation Network

    Das Spiel, das für einen Titel, der nur online zu beziehen ist, hohe Wellen in einschlägigen Medien schlägt, bringt auch dem Netzdienst Playstation Network neuen Rückenwind. Seit November 2006 wurden dort 20 Millionen Accounts erstellt, 380 Mio. Downloads und Umsätze von 180 Mio. Euro wurden bisher verzeichnet. Mit den Blumen werden noch ein paar Scheine mehr ins Haus wehen. ThatGameCompany/Sony, ohne Altersbegrenzung, 7,99 Euro (Alois Pumhösel, DER STANDARD/Printausgabe, 28.2./1.3.2009)

     

     

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