Konzern bleibt auf Automotive-Beteiligungen sitzen

2. März 2009, 12:58
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Der bereits fixierte Polynorm-Deal ist geplatzt - Auch der Verkauf der französischen Amstutz Levin verzögert sich

Wien - Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dem börsenotierte Stahlkonzern voestalpine beim Verkauf von Automotive-Beteiligungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Ausstiegsklausel ließ die bereits fixierte Veräußerung von Polynorm-Kunststoffsparte noch platzen. Auch für die französische Auto-Tochter Amstutz Levin & Cie. habe sich noch kein Käufer gefunden, bestätigte ein Unternehmenssprecher am Montag einen entsprechenden Bericht im "WirtschaftsBlatt" (Montagsausgabe).

Die Übernahme der Plastiksparte der Voest-Tochter Polynorm durch die deutsche Inteva Products Europe war schon fast unter Dach und Fach. Die zum Verkauf stehenden Polynorm-Bereiche umfassen insgesamt drei Werke. Polynorm Plastics produziert in den Niederlanden und im britischen St. Helens. Hergestellt werden dort unter anderem Armaturenbretter für Autos. Die dritte Fertigung befindet sich ebenfalls in den Niederlanden und firmiert unter Polynorm Van Nifkrit.

Abwertung von Vorräten

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ließ im zurückliegenden Quartal nicht nur den Absatz in fast allen Sparten und Märkten einbrechen und zwang zu Abwertung von Vorräten aufgrund des Preisverfalls von Vormaterial und Legierungen, sondern bescherte auch herbe Rückschläge bei den geplanten Devestitionen.

So ist ein großer Deal geplatzt, der schon so gut wie fix schien: der Verkauf der Kunststoffaktivitäten der Autozuliefer-Tochter Polynorm. Im Mai 2008 war noch von einem regelrechten Bietergerangel darum mit 30 Angeboten die Rede, gegen Jahresende wurden dann Exklusivverhandlungen mit der zum US-Konzern Renco gehörenden deutschen Inteva aufgenommen, die schließlich in eine Vertragsunterzeichnung mündeten. Der Deal wurde sogar schon beim deutschen Bundeskartellamt angemeldet und galt somit als fix.

Was den Kaufpreis betrifft, so geisterten zunächst 100 Mio. Euro herum, was bei einem Umsatz von rund 90 Mio. Euro von Anfang an unrealistisch hoch erschien. Zuletzt war, wenn auch nicht offiziell, von einem "mittleren zweistelligen Millionen-Betrag" die Rede. 40 bis 60 Mio. Euro hielten Analysten für angemessen.

Inzwischen ist die Autoindustrie, insbesondere der Nutzfahrzeugbereich als ein Hauptkunde der zum Verkauf stehenden Gesellschaften, zum Ende des Kalenderjahres in eine bis heute anhaltende historische Krise geschlittert.

Produktionskürzung bei Polynorm

Wie andere Zulieferer musste auch Polynorm die Produktion drastisch kürzen - mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Ergebnissituation. Gleichzeitig bot das Vertragskonstrukt Inteva vor dem Closing, sprich dem Abschluss der Transaktion, eine Ausstiegsmöglichkeit. Diese nahm der potenzielle Käufer zum Anlass für eine Nachverhandlung der Verkaufskonditionen. "Die stark divergierenden Standpunkte ließen eine abschließende Einigung nicht zu", heißt es seitens der voestalpine. Und weiter: "Zur Evaluierung von Alternativoptionen wird sich der Verkaufsprozess somit auch hier verzögern." Die Verhandlungen mit dem Partner hätten sich "zerschlagen", bestätigte Unternehmenssprecher Peter Schiefer.

Die Krise, die ja auch die Finanzierung von Akquisitionen für potenzielle Käufer erschwert, hat bei der Voest eine weitere geplante Devestition in der Automotive-Sparte erschwert. "Der Verkauf der französischen Gesellschaft Amstutz Levin & Cie. hat sich ebenfalls verzögert", sagte Schiefer. Diese wurde erst 2006 von den Linzern übernommen.(APA)

 

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