EZB senkt Leitzins um 0,5 Prozentpunkte

5. März 2009, 13:45
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Zum ersten Mal seit Einführung des Euro liegen die Zinsen auf dem Rekordtief von 1,5 Prozent

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie von Experten erwartet den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 1,5 Prozent gesenkt. Das Zinsniveau ist somit das niedrigste in der Geschichte der Währungsunion.

Nach der bisher letzten Zinssitzung im Februar, als die Notenbank eine Zinspause einlegte, hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die März-Sitzung mehrfach als "wichtig" bezeichnet und somit den Zinsschritt bereits angedeutet.

Zuvor hat die britische Notenbank ihren Leitzins wegen der Wirtschaftskrise ebenfalls wie erwartet um 0,50 Prozentpunkte auf 0,50 Prozent reduziert.

Jean-Claude Triche geht bei seiner traditionell nach dem Zinsentscheid stattfindenden Pressekonferenz von einer nur "vorübergehend" negativen Inflation aus. "Insgesamt sind die Inflationsraten deutlich zurückgegangen. Es ist nun zu erwarten, dass sie 2009 und 2010 weit unter zwei Prozent bleiben werden. Dieser Ausblick für die Inflation ist an fallende Rohstoffpreise sowie sinkenden Preis- und Kostendruck in der Binnenwirtschaft gekoppelt und spiegelt somit den starken Abschwung der Wirtschaftsaktivität wider." Das Bruttoinlandsprodukts-Wachstum in der Eurozone werde im laufenden Jahre weiter zurückgehen. Eine langsame Erholung sieht Trichet ab 2010. Der Ausblick bleibe aber nach wie vor ungewiss.

Revidiert wurden auch die Ausscihten für die Inflation und das Wachstum: Die Prognosen für das Eurozonen-BIP 2009 liegen derzeit bei minus 3,2 bis minus 2,2 Prozent (davor: minus 1,1 - 0,0 Prozent), für 2010 geht die EZB von minus 0,7 bis plus 0,7 Prozent aus (davor: 0,5 bis 1,5 Prozent). Die Inflation in der Eurozone werde nach EZB-Sicht 2009 bei 0,0 bis 0,7 Prozent (davor: 1,1 bis 1,7 Prozent), 2010 bei 0,6 bis 1,4 Prozent (davor: 1,5 bis 2,1 Prozent) liegen.

Von einer "Nullzinspolitik" ist Trichet nach wie vor nicht begeistert. Er sehe darin "eine Reihe von Nachteilen". Die EZB habe laut Trichet aber eindeutig nicht entschieden, dass "1,5 Prozent das unterste Zinsniveau" sei.

Kampf gegen Krise

Mit der erneuten Zinssenkung reagiert die EZB auf die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise. Seit Herbst reduzierte die Notenbank den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld um insgesamt 2,25 Prozentpunkte auf das bisher niedrigste Niveau. Volkswirte gehen von einem Niveau von 1,0 Prozent spätestens zur Jahresmitte aus.

Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft ankurbeln. Sparguthaben werden allerdings ebenfalls niedriger verzinst.

In den USA und in Japan liegen die Leitzinsen derzeit praktisch bei null. In Großbritannien senkte die Bank von England (BoE) den Leitzins am Donnerstag um 0,5 Punkte auf den historischen Tiefststand von 0,5 Prozent. (red/APA)

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