Conti möglicherweise bald ohne Schaeffler

2. März 2009, 12:54
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Die Kreditgeber der Schaeffler-Gruppe erwägen, den Conti-Kauf rückgängig zu machen. Familie Schaeffler würde dadurch weitgehend entmachtet

Frankfurt  - Die Kreditgeber der hoch verschuldeten Schaeffler-Gruppe ziehen einem Pressebericht zufolge eine Rückabwicklung des Kaufs des Autozulieferers Continental in Betracht. Die Banken diskutierten darüber, alle Conti-Aktien, die derzeit bei Schaeffler liegen, durch die Banken übernehmen zu lassen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ, Montag-Ausgabe). Danach müsse allerdings eine Kapitalerhöhung bei Continental folgen. Das werde den Anteil, der sich in den Händen der Banken befinde, dann möglicherweise wieder unter 50 Prozent drücken. Auch das "Handelsblatt" berichtete über Überlegungen, die Schaeffler-Beteiligung bei Conti durch eine Kapitalerhöhung zu verwässern.

Auch mit Blick auf die Politik und die Diskussion über mögliche staatliche Hilfen für Schaeffler sei es wichtig, die Betrachtung von Schaeffler und Continental wieder zu trennen, schrieb die "FAZ", ohne genaue Quellen zu nennen. Denn Continental sei trotz seiner hohen Schuldenlast, die sich dort durch die Übernahme des Autozulieferers VDO im Jahr 2007 angesammelt habe, allein in der Lage, diese Schuldenlast abzutragen. Weichenstellungen würden von der Continental-Aufsichtsratssitzung am 6. März erwartet. Dabei wird es den berichten zufolge zufolge immer unvorstellbarer, dass Schaeffler-Berater Rolf Koerfer wie bisher geplant den Vorsitz übernimmt.

Die Familie Schaeffler droht laut "Handelsblatt" die Kontrolle über ihr Imperium fast vollständig zu verlieren. Die Gläubigerbanken gingen inzwischen fest davon aus, die Kredite in Eigenkapital zu wandeln, schrieb die Zeitung unter Berufung auf aus Finanzkreisen. Für die Schaefflers werde dann bestenfalls noch ein Anteil von etwa zehn Prozent bleiben.

Die Conti-Aktien stemmten sich am Montag mit plus 2,04 Prozent auf 11,99 Euro gegen die sehr schwache Tendenz am Gesamtmarkt und stiegen an die MDAX-Spitze.

Schließung eines Reifenwerks

Continental erwägt die Schließung eines Reifenwerks mit 1.100 Beschäftigten in Frankreich. Der französische Industriestaatssekretär Luc Chatel kündigte am Montag im Radiosender BFM an, er wolle sich am Dienstag mit der Werksleitung beratschlagen, wie sich die Schließung des Werkes in der Picardie im Norden des Landes verhindern lasse. "Eine so große Produktionsanlage kann man nicht einfach abziehen lassen." Der Geschäftsführer der Fabrik, Louis Forzy, hatte am Samstag gesagt, dass man die Schließung ernsthaft ins Auge fassen müsse. Die Nachfrage der Kunden sei im Vergleich zu vergangenem Jahr "sehr schwach".

Seit Freitag stehen in dem Werk in Clairoix die Anlagen still; die Produktion soll erst am Donnerstag weitergehen. Bis Ende September plant das Werk etwa vier bis fünf weitere Wochen Kurzarbeit ein. Die Fabrik hatte vergangenes Jahr knapp sieben Mio. Reifen hergestellt und rechnet für dieses Jahr mit einer Produktion von gut fünf Mio. Reifen. (APA/dpa/AFP)

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