Ex-General Zagorec zu sieben Jahren Haft verurteilt

2. März 2009, 15:45
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Ehemaliger Vizeverteidigungsminister soll Edelsteine veruntreut haben

Zagreb/Wien - Der kroatische Ex-General und Ex-Vizeverteidigungsminister Vladimir Zagorec (45) ist am Montag vom Zagreber Gericht zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Zagorec, der auch die österreichische Justiz lange beschäftigt hatte, werden Amtsmissbrauch und Veruntreuung angelastet. Konkret soll er Edelsteine im Wert von fünf Millionen Dollar mitgenommen haben, als er im Jahr 2000 seinen Posten im Verteidigungsministerium räumte. Zudem muss Zagorec laut Urteil fünf Millionen Dollar an den Staat zurückzahlen und die Verfahrenskosten übernehmen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Zagorec bestreitet die Vorwürfe, seine Anwälte kündigten Berufung an.

Es sei im Rahmen des Gerichtsverfahrens unzweifelhaft bewiesen worden, dass Zagorec eine Straftat begangen habe, hieß es in der Urteilsbegründung. Zagorec wurde aufgrund von Zeugenaussagen verurteilt. Genau dies kritisierte Zvonimir Hodak, Anwalt von Zagorec. Es habe "keinen einzigen materiellen Beweis" gegeben, sagte er gegenüber Journalisten in Zagreb.

Staatsanwaltschaft forderte Höchststrafe

Nicht zufrieden mit dem Urteil zeigte sich aber auch die Staatsanwaltschaft, weil man die Höchststrafe von zehn Jahren für gerecht halten würde. Man überlege noch, ob man Berufung einlegen werde. Die bisher in Zagreb verbrachte Haft bzw. jene in Österreich verbrachte Zeit in Auslieferungshaft werden angerechnet.

Entscheidend waren für das Gericht die Aussagen der Belastungszeugen Hrvoje Petrac, Ex-Sekretärin Snjezana Siprak und Terezija Barbaric, ehemals hochrangige Mitarbeiterin im kroatischen Finanzministerium. Petrac war lange ein Partner von Zagorec, ehe es zum Bruch kam. Im Februar 2004 hatte Petrac Zagorec' damals 16-jährigen Sohn Tomislav entführt und vier Tage später freigelassen, nachdem sein Vater 750.000 Euro an die Entführer zahlte - in Cash. Petrac wurde wegen dieser Tat zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Waffenkäufe

Nicht geglaubt hat das Gericht hingegen dem Entlastungszeugen Josef R.. Das ist jener Mann, der 1993 den Koffer mit Edelsteinen an Zagorec übergeben haben soll. Josef R. hatte dies vor Gericht abgestritten. Die Behauptungen der Verteidigung seien falsch, dass Josej R. nur ein "Bote" gewesen sei. Vielmehr handle es sich um einen deutschen Waffenhändler, der Kroatien unter anderem Hunschrauber besorgte. Es sei vollkommen verständlich, dass Josef R. dies vor Gericht nicht zugeben wollte, da für Kroatien im Kriegsjahr 1993 ein UN-Waffenembargo in Kraft war, urteilte das Gericht.

Zagorec selbst hatte vor Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich bin nur eine kleine Maus, gegen die der ganze Staat an der Spitze mit Präsident (Stjepan) Mesic ist", sagte er vorige Woche. Dass er die besagten Edelsteine mitgenommen habe, sei eine "erfundene" Geschichte, die seine Feinde konstruiert hätten. Die Staatsanwaltschaft hingegen wies die Behauptungen von Zagorec zurück, wonach er das "Opfer einer Verschwörung" sei und dass ihm staatliche Institutionen, Medien sowie Personen aus der Organisierten Kriminalität alles untergejubelt hätten.

Tudjman-Vetrauter

Der 1963 geborene Zagorec, enger Vertrauter des im Jahr 2000 verstorbenen Präsidenten Franjo Tudjman, ist in nur etwa 15 Jahren vom Chauffeur und einfachen Vermessungstechniker zu einem der reichsten Männer seines Landes aufgestiegen. Das Vermögen von Zagorec wird von Medien auf mehr als 26 Mio. Euro geschätzt. Der kroatische General mit den meisten Orden (obwohl er keinen einzigen Tag an der Front verbrachte) war noch 1993 Chauffeur von Ivan Cermak, zu diesem Zeitpunkt Vize-Verteidigungsminister und Hauptlogistiker der kroatischen Armee. Nach einigen Monaten beerbte er seinen Chef im Amt. Er begann, Ausrüstung für die kroatische Armee zu kaufen - ohne Rechnungen, war der Waffenkauf damals ja wegen eines UNO-Embargos während des Krieges (1991-1995) eine illegale Angelegenheit.

Nach dem Tod Tudjmans und der Niederlage der regierenden HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) bei den Wahlen im Jahr 2000 musste Zagorec dann doch das Feld räumen. Er legte alle Ämter nieder, soll der Anklage zufolge besagten Koffer mit den Edelsteinen nicht retourniert haben und übersiedelte nach Österreich, wo er intensive Tätigkeit als Unternehmer und Immobilieninvestor entfaltete. Nachdem Kroatien im März 2007 einen internationalen Haftbefehl ausgestellt hatte, wurde er in Wien festgenommen. Doch das Auslieferungsverfahren zog sich eineinhalb Jahre hin, bis er schließlich am 2. Oktober 2008 nach Zagreb überstellt wurde. (APA)

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