Stichwort Telekom Austria - Paradebetrieb mit Festnetz-Problem

2. März 2009, 11:50
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2.500 Festnetz-Mitarbeiter sollen abgebaut werden - TA-Aktie verlor heute fast 4 Prozent

Die börsenotierte, teilstaatliche Telekom Austria (TA) hat sich nach der Marktliberalisierung Ende der 1990er Jahre von einem Monopolisten hin zu einem der wichtigsten Spieler in Zentral- und Südosteuropa entwickelt. Im Heimatmarkt bleib die TA trotz der Konkurrenz internationaler Konzerne wie Tele2, UPC, Deutsche Telekom oder France Telecom bis heute unangefochtener Marktführer, egal ob im Festnetz-, im Mobilfunk- oder im Internetsektor. Im Ausland ist das Unternehmen über die Handytochter Mobilkom in Slowenien, Kroatien, Serbien, Kosovo, Mazedonien, Bulgarien und Weißrussland. Der bisher letzte Deal war die Übernahme der weißrussischen MDC für 1,05 Mrd. Euro im Oktober 2007.

Kannibalisierung des Festnetzes

Der Kannibalisierung des Festnetzes konnte sich aber auch die Telekom am Heimatmarkt nicht entziehen, was ihr die Jahresbilanz 2008 verhagelt hat. Wie die Telekom das Festnetzproblem löst, ist offen, Konzernchef Boris Nemsic braucht sich darum kaum mehr kümmern - er geht mit 2. April zum russischen Telekomanbieter VimpelCom. Nemsic hatte immer eine "Arbeitsagentur" bei der Staatsholding ÖIAG angeregt, die die angeblich überzähligen beamteten Mitarbeiter der Telekom übernehmen soll. Gegen diese Agentur kommt aber Widerstand von SPÖ und Gewerkschaften, während ÖVP und ÖIAG dem durchaus zugetan sind. Das Unternehmen beschäftigt knapp 17.000 Mitarbeiter, davon fast 9.000 im Festnetz, von denen ca. 2.500 abgebaut werden sollen.

Druck

Der Druck auf das Unternehmen erhöhte sich zuletzt, nachdem nach jahrelangen Erfolgsbilanzen für 2008 rote Zahlen präsentiert wurden. Das Betriebsergebnis ging um 82,2 Prozent auf 135,5 Mio. Euro zurück. Im Gesamtjahr 2008 ergab sich ein Jahresverlust von 48,8 Mio. Euro im Vergleich zu einem Jahresüberschuss in Höhe von 492,5 Mio. Euro im Jahr 2007. Seine Erwartungen für 2009 fasste Boris Nemsic kürzlich bei der Bilanz-Pressekonferenz so zusammen: "Kein Wachstum, aber stabil".

Berg- und Talfahrt

Die Telekom wurde vor acht Jahren an die Wiener Börse gebracht und erlebte seither eine Berg- und Talfahrt der Aktie. Sie ging am 21. November 2000 mit Sonderkonditionen mit 9 Euro in den Markt und stand gleich zu Beginn unter Druck. Im Jänner 2001 erreichte die Aktie ihren bisherigen Tiefststand von 5,60 Euro, der Höchststand wurde im Jänner 2007 mit 21,51 Euro erreicht.  (APA)

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