Influenza war schlimmer als in Jahren zuvor

2. März 2009, 11:14
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Die diesjährige Grippewelle ist vorbei - Bis zu 500.000 Österreicher sind erkrankt - Resistenzen nehmen zu

Saalfelden - Die diesjährige Influenza-Welle ist in Österreich de facto vorbei. Doch was bleibt: Noch immer sind offenbar viel zu wenige Menschen jedes Jahr gegen die gefährliche Erkrankung geimpft. In den vergangenen Wochen lagen jedenfalls deutlich mehr Patienten im Bett als bei den Erkrankungswellen der vergangenen Jahre, erklärte am Sonntagabend bei der 42. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer der Grazer Hygieniker Egon Marth.

Mehr Erkrankungen durch neue Virenstämme

In diesem Jahr seien deutlich mehr Menschen an Influenza erkrankt. "Die Erkrankungen waren auch schwerer als in den vergangenen Jahren. Das lag daran, dass drei neue Stämme der Viren kursierten (zwei aus Brisbane und einer aus Florida, Anm.). Heuer schätzen wir, dass in Österreich 400.000 bis 500.000 Menschen erkrankt sind", sagte Marth. Gegen die Influenza-Viren des Jahres 2009 waren offenbar weniger Menschen durch vorherigen Kontakt mit ähnlichen Erregern geschützt als in den Jahren zuvor.

Wenige lassen sich impfen

Doch der größte Teil der Misere ist - so Marth - einfach darauf zurückzuführen, dass sich in Österreich weiterhin viel zu wenige Menschen gegen die Influenza impfen lassen: "Leider ist es so, dass die Ärzte nicht von der Influenza-Impfung überzeugt sind. Selbst in den Altersheimen sind nur rund 35 Prozent der dort Untergebrachten geimpft, in Großbritannien sind es 76 Prozent. Wir sind auf der selben Stufe wie Albanien. Weil wir Österreicher glauben, dass das keine schwere Erkrankung ist."

Influenza-Pandemie

Dabei schwebt über der Welt noch zusätzlich das Damoklesschwert einer Influenza-Pandemie für den Fall, dass genetisch völlig neue Influenza-Viren - zum Beispiel aus den Erregern der Vogelgrippe (H5N1) - entstehen. 1918/1919 forderte die "Spanische Grippe" zum Beispiel zwischen 20 und 50 Millionen Todesopfer, das war deutlich mehr als die Zahl der Toten im Ersten Weltkrieg. Die Viren waren deshalb so tückisch, weil sie direkt durch Mutation aus einem Vogelvirus entstanden.

"Dabei kommt es zu einer Aktivierung des angeborenen Immunsystems und zu einem 'Zytokin-Sturm' entzündungsfördernder Immunbotenstoffe", so der Experte. Die Folge dieser außer Rand und Band geratenen Immunreaktion sind für den Erkrankten binnen Stunden fatal: Abnahme der Lungenfunktion, Lungenversagen, Absterben von Lungengewebe, Lungenödeme und Lungenblutungen bzw. eine tödliche Pneumonie. Was den Einsatz von Tamiflu im Rahmen einer Influenza-Pandemie bei bereits Infizierten angeht, ist Marth skeptisch, da dieser eventuell zu spät kommen könnte.

Resistenzen nehmen zu

Zudem beunruhigen Resistenzen von Grippeviren die Gesundheitsbehörden weltweit. Einer US-Studie zufolge steigt der Anteil jener Influenza-Erreger, die auf das gängige Medikament Tamiflu nicht mehr reagieren. Neue Daten der amerikanischen Gesundheitsbehörden zeigen, dass jedes achte Influenzavirus vom Typ A (H1N1), das während der Grippesaison 2007/2008 untersucht wurde, immun gegen Tamiflu war. Auf Typ A entfielen knapp 20 Prozent aller damals zirkulierenden Grippeerreger.

Vorläufige Daten aus der aktuellen Saison in den USA zeigen, dass 264 von insgesamt 268 Erregern, die bis Mitte Februar 2009 untersucht wurden, nicht mehr auf das Präparat reagierten. Zusätzliche Mittel zur Vorbeugung und Behandlung einer Grippe würden dringend gebraucht, betonen die Forscher im "Journal of the American Medical Association". (APA/AP/red)

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    Laut dem Grazer Hygieniker Egon Marth lassen sich in Österreich immer noch zu wenige Menschen impfen

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