HSBC braucht 14 Milliarden

2. März 2009, 10:56
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Die bis dato vergleichsweise glimpflich davongekommene größte Bank des Königreichs braucht frisches Kapital

London - Die Finanzkrise hinterlässt in der britischen Bankenlandschaft immer tiefere Spuren. Wenige Tage nach dem Rekordverlust der inzwischen praktisch komplett dem Staat gehörenden Royal Bank of Scotland (RBS) hat es jetzt den Branchenprimus HSBC voll erwischt. Die bis dato vergleichsweise glimpflich davongekommene größte Bank des Königreichs braucht nach einem Gewinneinbruch frisches Kapital in Höhe von 12,5 Mrd. Pfund (14 Mrd. Euro).

Anders als die meisten Konkurrenten kommt die HSBC aber ohne staatliche Hilfe zurecht. Rund fünf Milliarden neue Anteile sollen zu je 254 Pence an die bisherigen Aktionäre verkauft werden. Sollte die Platzierung gelingen, wäre dies die bisher größte privat getragene Kapitalerhöhung in der Geschichte Großbritanniens.

Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten mit einem teils zweistelligen Abschlag quittiert. Nach 10 Uhr lag die HSBC-Aktie um 9,26 Prozent tiefer bei 445,75 Pence. Vor allem die Anzahl der neuen Aktien, der Bezugspreis und die Dividendenkürzung überraschten Experten negativ. Mit einem Abschlag von weniger als 50 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehört die Aktie aber noch zu den besten Werten im Finanzsektor. Papiere von einst auf Augenhöhe operierenden Banken wie der RBS oder der Citigroup notieren nur noch auf einem Zehntel des Standes von vor einem Jahr. Selbst der Marktwert des Konkurrenten Barclays, der bisher auch ohne staatliche Hilfe auskommt, sank seit Anfang 2008 um rund 80 Prozent.

Kein Ausblick

Für 2009 Jahr wagt die HSBC wie die Konkurrenz keinen Ausblick, spricht aber von einem besser als erwartet ausgefallenen Start ins laufende Jahr - vor allem im Geschäft mit Großkunden und im Investmentbanking. HSBC-Chef Michael Geoghegan nannte dabei aber keine konkreten Zahlen. Ähnlich hatten sich bereits andere Großbanken wie Barclays oder die Deutsche Bank geäußert. Die HSBC litt im vergangenen Jahr vor allem in den USA unter der Finanzkrise und schrieb dort tiefrote Zahlen. Das dicke Minus in den Staaten konnte die Bank jedoch mit Gewinnen in anderen Regionen auffangen und schrieb unter dem Strich noch schwarze Zahlen. Konzernweit sank der Gewinn um 70 Prozent auf 5,7 Mrd. Pfund.

Als Konsequenz des Vorsteuerverlusts von 15,5 Mrd. Dollar in Nordamerika will sich die Bank in den USA größtenteils aus dem Kreditgeschäft für Privatkunden zurückziehen. Hier werden zahlreiche Filialen geschlossen und 6.100 Stellen gestrichen. Die HSBC sieht weiter vor allem im asiatisch-pazifischen Raum und in den Schwellenländern Spielraum für Wachstum. In Europa konnte die Bank den Gewinn im vergangenen Jahr steigern. Um die Kapitalbasis zu schonen, senkt die HSBC ihre Dividendenzahlung für 2008 um knapp 30 Prozent. Insgesamt schüttete die Bank für das vergangene Jahr 7,7 Mrd. Dollar als Gewinnbeteiligung aus. (APA/dpa-AFX)

 

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