Wie man Antibiotika-Resistenzen "züchtet"

2. März 2009, 10:22
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In den USA gibt es einen neuen Supermarkt-Werbegag: Das Verschenken von Antibiotika - Österreichs Hausärzte verschreiben wenige dieser Arzneimittel, dafür oft die falschen

Saalfelden  - Ob die Ärzte in einem Land wegen jedes banalen Schnupfens, der noch dazu eine Viruserkrankung ist, Antibiotika verschreiben oder die Hühnerzüchter dem Geflügel vorsorglich hoch wirksame antibakterielle Medikamente - zum Beispiel Chinolone - verfüttern: Hoher Verbrauch dieser Substanzen führt automatisch zum Aufkommen resistenter Keime. Den sprichwörtlichen Vogel schießen in dieser Hinsicht derzeit US-Supermarktketten ab: Sie verschenken Antibiotika.

Supermarkt wirbt mit kostenlosen Antibiotika

Den Anfang macht die Supermarktkette "Stop&Shop", hieß es am Sonntag bei der 42. Wissenschaftlichen Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden. Gezeigt wurde ein Original-Werbespot. "Als Anbieter frischer, gesunder Lebensmittel, die dem Kunden helfen, gesund zu bleiben, ist es ebenso wichtig, kostenlose Antibiotika anzubieten, um Krankheiten zu bekämpfen", hieß es. Was allzuoft nicht beachtet wird: Antibiotika belasten den Organismus und verändert beispielsweise die Darmflora für die Dauer mehrerer Monate.

Ketten auf Kundenfang

Andere Supermarktkonzerne sprangen auf. Die Aktion wurde breit im Fernsehen beworben - samt Interviews mit zufriedenen Kunden, die neben ihrem sonstigen Einkauf auch gleich noch Amoxicillin, Bactitracin, Cephalexin, Ciprofloxacin, Cotrimoxazol, Doxycyclin, Erythromycin, Penicillin oder Tetracyclin für jeweils zwei Wochen "Therapie" als "Draufgabe" erhalten. Die Kampagne soll bis Ende März laufen. "Wal-Mart & Co." setzen Dumpingpreis- bzw. Gratismedikamente zum Kundenfang ein.

Geringer Antibiotika-Verbrauch in Österreich

Österreichs Hausärzte verschreiben im Europa-Vergleich nur wenige dieser Arzneimittel. Das reduziert die Resistenzgefahr. Doch wenn der Arzt zum Rezeptblock greift, verordnet er oft die falschen Antibiotika. Das erklärte der Wiener Hygiene-Spezialist Oskar Janata im Rahmen der Fortbildungstagung. In einem Europa-Vergleich mit 26 Staaten lag die Alpenrepublik bei den Mengen an drittletzter Stelle vor Estland und den Niederlanden.

Resistente Krankheitserreger

Krankheitserreger werden allerdings zunehmend gegen Antibiotika resistent. Vorhandenen Antibiotika verlieren ihre Wirkung mit alarmierender Geschwindigkeit, gleichzeitig würden kaum neue Präparate entwickelt. Ohne ein konzertiertes weltweites Vorgehen gegen dieses Problem drohe ein Rückfall in das Zeitalter vor Entdeckung der Antibiotika, warnt der schwedische Mediziner Otto Cars von der Universität Uppsala in einem Artikel im "British Medical Journal". (APA/red)

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    Krankheitserreger werden zunehmend gegen Antibiotika resistent und vorhandenen Antibiotika verlieren ihre Wirkung

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