Präsident ermordet, Militär übernimmt die Macht

2. März 2009, 14:42
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Soldaten erschossen Staatschef Joao Bernardo Vieira in seiner Residenz, weil dieser nicht ins Exil gehen wollte

Bissau - Nach dem gewaltsamen Tod von Präsident und Generalstabschef hat auf Guinea-Bissau das Militär die Macht übernommen. Die Lage sei unter Kontrolle, erklärten die Streitkräfte am Montag. Ranghohe Offiziere hätten ein Komitee zur Bewältigung der Krise gebildet. Die Armee sei entschlossen, die demokratisch gewählten Institutionen zu respektieren. Präsident Joao Bernardo Vieira und der mit ihm verfeindete Generalstabschef Batista Tagme Na Wai waren im Kampf um die Vorherrschaft in dem verarmten westafrikanischen Staat getötet worden.

Vieira wurde von Soldaten erschossen. Dabei handelte es sich offenbar um einen Racheakt für den Tod des Generalstabschefs, der wenige Stunden zuvor bei einem Anschlag ums Leben kam. In der Hauptstadt Bissau war vor Tagesanbruch Feuer von Gewehren und schweren Waffen zu hören. Die meisten Bewohner blieben in ihren Häusern.

Präsident weigerte sich, ins Exil zu gehen

Sicherheitskreise sowie ein Vertreter der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas bestätigten den Tod von Präsident Vieira bei einem Angriff des Militärs auf seine Residenz. Vieira habe sich geweigert, das Anwesen zu verlassen und sich von angolanischen Diplomaten in Sicherheit bringen zu lassen, sagte ein enger Vertrauter des Staatsoberhaupts, Sandji Fati. Die Frau des Präsidenten habe sich in den Schutz der angolanischen Botschaft begeben. Ein Ecowas-Vertreter sagte dagegen, Soldaten hätten Vieira getötet, als dieser versucht habe, seine Residenz zu verlassen.

Na Wai war am Sonntagabend bei einem Angriff auf das Armee-Hauptquartier ums Leben gekommen, das dabei teilweise zerstört wurde. Noch in der Nacht stürmten daraufhin einem Beamten der Vollzugspolizei zufolge Na Wai loyale Soldaten einen Zellentrakt und befreiten sechs Gefangene, die eines Anschlags auf die Präsidentenresidenz im November verdächtigt wurden.

Die frühere Kolonialmacht Portugal und die Afrikanische Union (AU) verurteilten die Anschläge auf Vieira und Na Wai und forderten die Einhaltung der Verfassung. Der AU-Friedens- und Sicherheitsrat sollte auf einer Sondersitzung über die Lage in Guinea-Bissau beraten.

400 Leibwächter konnten den Präsidenten nicht schützen

Der früher als Militärmachthaber regierende Vieira war in den 90er Jahren in einem Bürgerkrieg gestürzt worden. 2005 gelang ihm bei Wahlen die Rückkehr an die Macht. Zuletzt gab es anhaltende Feindseligkeiten zwischen ihm und Generalstabschef Na Wai. Seit dem Angriff auf seine Residenz im November ließ sich Vieira von einer 400 Mann starken Miliz bewachen. Im Januar beschuldigten die Streitkräfte diese Truppe eines Angriffs auf Na Wai. Obgleich die Miliz bestritt, dass es sich dabei um einen Mordanschlag gehandelt habe, ordnete das Militär daraufhin ihre Auflösung an.

Guinea-Bissau ist mit  etwa so groß wie Baden-Württemberg und hat 1,6 Millionen Einwohner. In dem Land kommt es seit Jahren immer wieder zu Staatsstreichen und Kämpfen zwischen verfeindeten Gruppen in Politik und Militär. Internationale Drogenbanden benutzen die wenig bewachte Küste und entlegene Landebahnen des armen Landes als Zwischenstation, um Kokain aus Südamerika nach Europa zu schmuggeln.  (Reuters)

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    Getötet: Guinea-Bissaus Präsident Joao Bernardo Vieira.

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