Chinesischer Sammler trickste Christie's aus

2. März 2009, 07:18
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Ersteigerung von alten Bronzen war politische Protestaktion - Käufer will 31,49 Millionen Euro nicht zahlen - mit Video

Die in China patriotischen Volkszorn hervorgerufene französische Versteigerung von zwei qingzeitlichen Tierbronzen aus der Sammlung von Yves Saint Laurent und seinem Lebensgefährten Pierre Bergé hat ein überraschendes Nachspiel genommen. Der anoyme Käufer outete sich in Peking. Der chinesische Sammler Cai Mingchao aus Xiamen in Südchinias Provinz Fujian kündigte an, die 31,49 Millionen Euro, für die er sich telefonisch die beiden Bronzen eines Hasen- und eines Rattenkopfes ersteigerte, nicht bezahlen zu wollen.

Es sei eine Protestaktion: "Ich habe das im Namen des chinesischen Volkes getan. Jeder Chinese würde so ich in diesem Moment gehandelt haben. Es war mir eine Ehre, das Gebot abgegeben zu haben" zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Sammler Cai, der selbst Chef der Xiamen-Auktionsfirma Xinhe ist, hatte in Peking eine Pressekonferenz abgehalten, bei der sich mit seinem Täuschungsmanöver brüstete. „Ich habe damit erfolgreich diese Auktion verhindert". Brenzlig und politisch an der Sache, für die ihn das AuktionshaushausChristie's rechtlich belangen kann, ist Cais Zugehörigkeit als Berater zum sogenannten „National Treasures Fund". Nach Angaben von Xinhua untersteht der Fonds der Stiftung „China Foundation of Social Culture". Die wiederrum ist beim Kulturministerium offiziell als NGO registriert, die geraubte chinesische Kulturgüter wieder nach China zurückbringen sollen. Die Presekonferenz war im Namen des Fonds einberufen worden.

Amtliche Wut

Peking hatte versucht die Auktion der beiden Bronzen, die einst nach der Brandschatzung des alten Pekinger Sommerpalastes durch britische und französische Truppen 1860 geraubt worden waren, zu verhindern. Nach französischem Recht hatten Yves Saint Laurent und Pierre Bergé die beiden Bronzeköpfe, die zu insgesamt zwölf Tierkreiszeichen eines im 18. Jahrhundert vor einem kaiserlichen Pavillon gebauten Brunnens gehörten, einwandfrei erstanden. Nach der Versteigerung richtete sich Chinas amtliche Wut gegen das Auktionshaus Christie's. Die Staatsbehörde für den Erhalt des Kulturerbes (SACH). warf Christie's vor, gegen Kulturrechte und Interessen des chinesischen Volkses" verstoßen und seine „nationalen Gefühle" verletzt.zu haben. Sie ordnete an, alle Geschäfte des Versteigerers in China scharf zu kontrollieren. Im Internet brach zugleich ein Sturm der Empörung gegen Christie's und auch gegen Frankreich aus. (Johnny Erling, Peking/ derStandard.at, 2.3.2009)

 

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    Das Objekt der Begierde.

  • Links im Bild: Der Sammler, der Chinas Volkzorn befriedigt.
    foto: xinhua.net

    Links im Bild: Der Sammler, der Chinas Volkzorn befriedigt.

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