Schnelle Schnecken

1. März 2009, 20:21
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Die "schnelle Schnecke als wohlschmeckende Alternative für die Fastenzeit", die mich werbemäßig ereilte, hat mich bekehrt

Als wären die Aussichten auf die kleine Krise, die uns ins hypothekenbelastete Haus steht, nicht schon Trübnis genug, ist nun auch noch Fasten angesagt.

Ich habe das bisher abgelehnt, ließ meine Liebsten allein bei Tee und Tofu darben. Doch nun bin ich dabei.

Die "schnelle Schnecke als wohlschmeckende Alternative für die Fastenzeit", die mich werbemäßig ereilte, hat mich bekehrt. Statt Wurstsemmerl in Plastikfolie werde ich Weinbergschnecken "im attraktiven Glas" erwerben, "im Wasserbad erhitzen und als schnellen Snack" verzehren. In Form von Schneckengulasch.

Gewissensbisse, die Tierchen wären zu Tode gejagt worden, sind überflüssig. Sie werden zwei, drei Jahre liebevoll "mit Mangold, Sonnenblumen, Raps und Kräutern gefüttert" und erst bei Erreichung ihres "Idealgewichts" (14 Gramm) blanchiert. Und nach ihrem Leben "von ihrem Haus befreit".

Am besten, ich verzwicke die "raffinierte, von mittelalterlichen Mönchen entwickelte" Fastenspeise mit, ja, mit "gutem Schaumwein". In Begleitung. In der Karibik. Denn dort "schwört man auf die positive Wirkung von Schneckengerichten auf die männliche Potenz". (Renate Graber/DER STANDARD-Printausgabe, 2.3.2009)

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