Mauer im Kopf

1. März 2009, 19:59
9 Postings

Die politische Union ist noch lange nicht so weit entwickelt wie die wirtschaftliche - Von Michael Moravec

Die Wirtschafts- und Finanzkrise wäre eine wunderbare Gelegenheit, die Vorteile der EU für alle sichtbar zu machen: mit einem umfassenden, EU-weiten Sanierungsprogramm, das je nach den Bedürfnissen der einzelnen Länder den Umgang mit Banken, Versicherungen und Staatsfinanzen regelt. Dies hätte zwar einiges gekostet - vor allem, weil einige Mitgliedstaaten im Osten schlicht kein Geld dazu haben - doch solch ein EU-Paket wäre auch allen zugutegekommen.

Denn von einem gemeinsamen Markt profitieren alle, und gerade Österreichs Banken haben in den vergangenen Jahren einen Großteil ihres Gewinns im Osten gemacht. Doch leider ist die politische Union noch lange nicht so weit entwickelt wie die wirtschaftliche, und entsprechend offenbart die Krise, wie weit die EU noch von ihren Zielen einer tieferen politischen Integration entfernt ist.
Vor allem die langen Diskussionen um ein Osteuropa-Hilfspaket und die Rückkehr des Protektionismus zeigen, dass die gefallenen Mauern in den Köpfen weiter bestehen.

Zuerst waren die Reaktionen auf den österreichischen Vorstoß für ein Ostpaket verwundert bis ablehnend, nun einigen sich die EU-Mitgliedstaaten unter Einbeziehung der Weltbank langsam auf ein nebulos-hilfloses Hilfspaket, wobei sich zum Beispiel Deutschland nicht einmal auf Zahlen festlegen will. Solidarität sieht anders aus. Der Eindruck, dass es sich bei den EU-Staaten im Osten um Mitglieder zweiter Klasse handelt, wäre vermeidbar gewesen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2009)

 

Share if you care.