Versicherung teurer

1. März 2009, 19:50
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Die Ausfallprämien für Staatsanleihen der EU-Länder sind im Februar deutlich gestiegen, die Unterschiede zwischen den Prämien für die einzelnen Staaten ebenfalls

Wien - Die Staaten der Eurozone haben außer derselben Währung nur noch wenig gemein. Zu diesem Schluss scheinen jedenfalls mehr und mehr internationale Investoren zu kommen. Denn auf den internationalen Kapitalmärkten werden die EU-Staaten höchst ungleich behandelt. Sogar eine Pleite eines europäischen Landes wird von Marktteilnehmern nicht mehr ausgeschlossen.

Um die Wahrscheinlichkeit einer Pleite abzuschätzen, sehen sich Marktteilnehmer die Credit Default Swaps (CDS) für ein Land an. Diese Produkte sind Versicherungen gegen den Ausfall eines Schuldners, etwa eines Staates oder eines Unternehmens. Der Käufer des CDS zahlt dem Versicherer eine Prämie, die das erwartete Ausfallrisiko widerspiegelt. In der Eurozone sind diese Spreads auf neue Höchststände gestiegen (siehe Grafik). Österreich wurde von Investoren im Februar für das Osteuropa-Engagement der heimischen Banken besonders massiv abgestraft.

Neue Dimensionen

Das ist alleine schon an den neuen Dimensionen ersichtlich. In "normalen" Zeiten wurden die Ausfallprämien auf österreichische oder deutsche Staatsanleihen im Bereich von wenigen Basispunkten (also Hundertstelprozent) gehandelt. Vor sechs Monaten wurde etwa der Preis von CDS auf österreichische Staatsanleihen mit elf Basispunkten festgelegt , nur geringfügig höher als etwa die Versicherung gegen einen deutschen Ausfall. Doch heute stehen die CDS bei über 2,5 Prozentpunkten, also mehr als dem 20-fachen. Investoren, die österreichische Staatsanleihen im Wert von 100.000 Euro gegen einen Ausfall absichern wollen, müssen heute knapp 2500 Euro pro Jahr zahlen. Fast genauso viel muss ein Investor zahlen, um sich gegen den Ausfall von Griechenland zu versichern.

Doch nicht nur für Österreich erreichten die Absicherungskosten neue Rekordhöhen. Investoren haben für die gesamte Eurozone eine negative Erwartung. Als der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück ankündigte, einem anderen EU-Staat finanziell unter die Arme zu greifen, falls eine Pleite drohe, sind die CDS auf deutsche Staatsanleihen am selben Tag um zehn Basispunkte gestiegen.

Spekulation auf steigende Panik

Hinter hohen CDS-Aufschlägen stecken mitunter nicht nur Investoren, die ihre Risiken absichern wollen, sondern auch Player, die auf steigende Panik spekulieren. Nichtsdestotrotz sind die Ausschläge bei den Kredit-Derivaten nicht ohne Folge für Österreich. Die realen Refinanzierungskosten für den Staat, also die Rendite, die derzeit etwa auf zehnjährige Staatsanleihen fällig ist, betragen 4,23 Prozent, um 111 Basispunkte mehr als für deutsche Staatsanleihen. Vor der Kreditkrise waren es knapp 15 Basispunkte mehr.

Doch im Vergleich zu Griechenland, das nach den aktuellen Preisen des CDS-Marktes eine ähnlich hohe Ausfallwahrscheinlichkeit haben soll wie Österreich, steigt die Republik gut aus. Auf dem Kapitalmarkt muss Griechenland bereits 5,6 Prozent auf seine Staatsanleihen zahlen. Ähnlich tief muss auch Irland in die Tasche greifen. Zudem sind die Kosten, sich gegen eine Pleite des irischen Staates zu versichern, die höchsten in der Eurozone. Sie stehen bei 3,82 Prozent pro Jahr. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2009)

 

 

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