Salzburger Klima in der Krise

1. März 2009, 19:49
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Stellt Burgstaller weiterhin Sympathie vor Sachpolitik, wird die ÖVP die schwarze Hochburg bald zurückerobern

Im Westen kaum Neues - auf den ersten Blick. Gabi Burgstaller konnte ihr Amt als Landeschefin verteidigen, eine Weiterführung der rot-schwarzen Koalition ist aufgrund des großen Kuschelns im Salzburger Wahlkampf sehr wahrscheinlich.

Doch das Ergebnis wirkt, als hätte sich die SPÖ zu sehr auf die Harmonie verlassen. 2004 stürmte Burgstaller mit 45,4 Prozent (7,48 Prozent Vorsprung zur ÖVP) die schwarze Hochburg. Heute ist der Abstand mit knapp drei Prozent deutlich geringer. Und die ÖVP konnte im Gegensatz dazu ihren Stimmenanteil fast halten.

Setzt die Landeshauptfrau in den nächsten Jahren auch weiterhin auf Kuscheln, könnte das rot regierte Salzburg bei der nächsten Landtagswahl schon wieder Vergangenheit sein - vor allem, wenn Wilfried Haslauer wieder als schwarzer Spitzenkandidat antritt. Während "Gabi" in Salzburg vor allem als brillante Kommunikatorin bekannt ist, hat Haslauer den Ruf, ein hervorragender Sachpolitiker zu sein.

Die Spitzenkandidaten haben auf Kuscheln und das harmonische "Salzburger Klima" gesetzt - zum falschen Zeitpunkt. Denn auch den Salzburgern ist in der Wirtschaftskrise wenig nach Wohlfühlen zumute. Was Werner Faymann auf Bundesebene bei der Nationalrats-Wahl mit dem "Fünf-Punkte-Programm" anzubieten hatte, konnte Burgstaller in Salzburg nicht wiederholen. Und von der Bundes-SPÖ dringt zu den Salzburger Bürgern anscheinend eher Faymanns Lächeln als seine Politik. Burgstaller hat zwar betont, im Gegensatz zur Bundesregierung mit dem Koalitionspartner nicht zu streiten. Das nötige Quentchen Konflikt hat im Landtag jedoch gefehlt.

Der Verlust der SPÖ und der Zugewinn der FPÖ sind ein Denkzettel an die Landesregierung, weniger zu lächeln und mehr an Inhalten zu arbeiten. Setzt sich die Krise fort, gewinnt am Ende die Sachpolitik, und nicht die Sympathie - oder aus Protest sogar der Dritte, die FPÖ. (Elisabeth Oberndorfer/derStandard.at, 1. März 2009)

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