Antisemitische Angriffe nehmen zu

1. März 2009, 19:29
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Krieg im Gaza als Auslöser, Lage in Österreich unklar

Wien - Nach Beginn der militärischen Operationen Israels im Gazastreifen Ende Dezember 2008 ist es in einer Reihe von EU-Mitgliedsstaaten zu vermehrten Angriffen auf jüdische Einrichtungen und Attacken auf Juden gekommen. Das stellt die in Wien ansässige Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) in ihrem neuen "Folgebericht über Antisemitismus in der EU zwischen 2001 und 2008" fest, der heute, Montag, veröffentlicht wird.

In Frankreich, Belgien, Schweden, Dänemark und Großbritannien habe die Gewalt gegen Synagogen und einzelne Juden zugenommen. Im belgischen Antwerpen etwa hätten Unbekannte am 3. Jänner 2009 versucht, das Haus einer jüdischen Familie in Brand zu setzen. Im schwedischen Helsingborg sei in der ersten Jännerwoche Feuer im Eingangsbereich des Jüdischen Zentrums gelegt worden.

In Frankreich, wo laut Grundrechtsagentur gründliche statistische Aufzeichnungen über rassistische und antisemitische Zwischenfälle geführt werden, seien zwischen 27. Dezember 2008 und 26. Jänner 2009 insgesamt 113 Attacken auf und Drohungen gegen Juden und jüdische Einrichtungen registriert worden.

Mehr Graffiti-Schmähungen

Für Österreich weist der Bericht für 2007 in Vergleich zu 2006 eine Verdoppelung der Anzeigen wegen antisemitischer Übergriffe aus. Nach acht Anzeigen 2006 seien 2007 laut Verfassungsschutzbericht 15 Anzeigen wegen Beschimpfungen, Sachbeschädigung sowie antisemitischer Graffiti, E-Mails oder SMS erhoben worden. Die Antirassismusorganisation Zara habe hingegen zwischen 2006 (125 Fälle) und 2007 (62 Fälle) ein Minus bei antisemitischen Zwischenfällen registriert, außer bei Graffiti, die von neun auf 60 Fälle gestiegen sind. Insgesamt berichtet die Grundrechtsagentur von einer "generellen Zunahme rechtsextremer und fremdenfeindlicher Angriffe" 2007 in Österreich. (Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 2.3.2009)

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