"Ein paar wirklich blöde Sachen"

1. März 2009, 19:30
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In seiner Jahresanalyse gibt das "Orakel von Omaha", Warren Buffett, Fehler zu: 2008 hat er selbst Verluste gemacht

2009 kann man abhaken, die Wirtschaft wird das ganze Jahr in der Krise stecken, wahrscheinlich länger. Die Erkenntnis sagt wiederum nichts darüber, ob die Aktienkurse fallen oder steigen. Und so sehr die Misere auch an den Nerven zerre, langfristig habe man nichts zu befürchten, denn: "Amerikas beste Tage liegen noch vor uns".

Jetzt weiß es die US-Nation aus berufenem Munde. Warren E. Buffett hat zu ihr gesprochen, ein Mann, dem manche fast übersinnliche Fähigkeiten zuschreiben. So wie die Griechen das Orakel von Delphi ehrten, hören die Amerikaner auf das "Orakel von Omaha", einen 78-jährigen Herrn mit weißem Haar und großer Brille. Laien kaufen dieselben Aktien, wie der Profi aus der Prärie. Barack Obama berief den Veteranen im Wahlkampf in den Rat seiner Wirtschaftsweisen. Und der Rundbrief, den Buffett einmal im Jahr an Anleger schreibt, die Anteile an seiner Firma Berkshire Hathaway halten, hat für Investoren ungefähr dasselbe Gewicht wie eine Enzyklika des Papstes für gläubige Katholiken. Für andere ist es zumindest unterhaltsame Lektüre, schließlich liebt es der Alte, seine Analyse mit blumiger Sprache zu würzen. Etwa so: "Ich habe 2008 ein paar wirklich blöde Sachen gemacht. Ich hab' am Daumen gelutscht, als neue Fakten hereinkamen, die mich eigentlich veranlasst haben müssten, mein Denken zu überprüfen und prompt zu handeln."

Zum Beispiel die Sache mit den zwei irischen Banken, die ihm wie Schnäppchen erschienen. Buffett hat 244 Mio. Dollar für Papiere der Geldinstitute ausgegeben und mit angesehen, wie daraus 27 Millionen wurden. Auch Halbgötter greifen ins fallende Messer, muss sich der Börsenguru von Kommentatoren halb trösten, halb verspotten lassen. Unterm Strich machte Buffett im Vorjahr 9,6 Prozent Verlust.

Ein paar Wahrheiten

Allerdings enthält sein launiger Brief auch ein paar Wahrheiten von großer Allgemeingültigkeit, etwa zur geplatzten Immobilienblase. "Ein Haus zu besitzen ist eine wunderbare Sache. Nur sollte es dem Einkommen des Käufers entsprechen." Also bitte, keine Darlehen mehr ohne Eigenkapital von mindestens zehn Prozent, dies zum Ersten. Zweitens sollten die Raten dem entsprechen, was der Schuldner sich leisten kann. Drittens sei eine Bank gut beraten, wenn sie prüft, wie viel jemand tatsächlich verdient. Binsenweisheiten, die man im Fieber des Immobilienrauschs zu gerne verdrängte.

Buffett wäre freilich nicht Buffett, der robuste Optimist, würde er nicht Licht am Ende des Tunnels erblicken. Die USA hätten schon Schwierigeres überstanden, doziert er, allein im 20. Jahrhundert: die Große Depression, zwei große Kriege, ein Dutzend Paniken und Rezessionen, eine Inflationsrate von 21 Prozent 1980. Nein, Amerika leide nicht an Mangel an Herausforderungen, aber "bisher haben wir sie alle gemeistert."

Was die Börse betrifft, verteilt das Orakel Beruhigungspillen, indem es die ganz lange Sicht beschwört. 1900 lag der Dow Jones bei 66 Punkten, innerhalb von hundert Jahren stieg er auf das 174fache. "Vergleichen Sie das mal mit Jahrhunderten, in denen die Menschen, wenn überhaupt, nur winzige Gewinne machten." (Frank Hermann aus Washington, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2009)

 

 

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    Warren Buffet

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