Luftzufuhr für GM und Chrysler

1. März 2009, 19:19
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Die USA und Kanada überlegen, den angeschlagenen Autobauern länger Zeit für ihre Sanierungskonzepte zu geben

Toronto/Berlin - Die USA und Kanada überlegen, den angeschlagenen Autobauern General Motors (GM) und Chrysler länger Zeit für ihre Sanierungskonzepte zu geben. Ursprünglich hatten die Konzerne bis zum 31. März Zeit, ihre Überlebensfähigkeit zu bezeugen.

Nun erhielt Kanadas Industrieminister, Tony Clement, laut kanadischen Medienberichten Signale von der US-Regierung, sie sei bereit, die Zeitspanne zu verlängern. In dem Fall würde auch die kanadische Regierung, bei der beide Hersteller ebenfalls um weitere Milliardenhilfen angefragt haben, einer Fristverlängerung zustimmen, sagte Clement: "Solange die Unternehmen lebensfähig sind, gibt es keinen Grund zur Eile."

Kanada will - wie die USA - den Autoherstellern finanziell unter die Arme greifen, damit die Autoindustrie nicht aus Kanada abwandert. Einer Studie zufolge würden in diesem Fall etwa 600.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Bewegung zeichnet sich auch in der deutschen Autoindustrie ab. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident, Kurt Beck, hat eine staatliche Beteiligung als denkbaren Weg zur Rettung der GM-Tochter Opel bezeichnet.

Staatshilfe für Opel angedacht

"Der Staat sollte sicher nicht Automobilunternehmer auf Dauer werden, aber ich schließe ausdrücklich zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus, dass man sich auch in einer Beteiligung einbringt", sagte der SPD-Politiker. Rheinland-Pfalz sei bereit, seinen Beitrag zur Sanierung von Opel zu leisten.

Mit dem am Freitag in Grundzügen vorgestellten Konzept zur Herauslösung von Opel aus dem US-Mutterkonzern seien einige wichtige Fragen geklärt, so Beck. Geholfen werden solle nur "bis zu der Grenze, von der an das Unternehmen wieder überlebensfähig ist". Der deutsche Wirtschaftsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht die Staatshilfe kritisch, "nur aus nostalgischen Gründen" werde man Opel sicher nicht retten. Am Wochenende wurde bekannt, dass VW alle 16.500 Leiharbeitsjobs streichen wird.

Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hält schmerzhafte Einschnitte in Europas Autoindustrie für unvermeidbar. In der EU würden jährlich 18 Mio. Autos gebaut, die Nachfrage betrage nur elf bis zwölf Millionen. Staatliche Hilfen sollten beitragen, die Autohersteller für die Zukunft zu rüsten. Der schwedische Autobauer Saab (gehört ebenfalls zu GM) hat vor einer Woche Insolvenz angemeldet. (ag, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.3.2009)

 

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