Grüne erhalten den nächsten Dämpfer

1. März 2009, 18:25
163 Postings

Es läuft nicht gut für die Grünen: Nach dem holpernden Wechsel von Van der Bellen zu Glawischnig blieb die Partei auch bei den Landtagswahlen hinter den Erwartungen zurück

Wenigstens in Kärnten ließ man sie hochleben: Bundessprecherin Eva Glawischnig feierte am Tag vor der Wahl, am Samstag, ihren 40. Geburtstag. Spitze und Basis fanden sich im Klagenfurter "Napoleonstadl" ein, um diesen Anlass ausgiebig zu würdigen. Höchste Erwartungen setzt Spitzenkandidat Rolf Holub in seine Chefin: "Happy Birthday, Mrs. President" intonierte er, bevor Glawischnig neben einer Torte einen grün angestrichenen "Ehrensessel für den Kärntner Landtag" überreicht bekam.

Am Sonntag war niemanden mehr zum Feiern zumute. In Kärnten, Glawischnigs Heimat, verlor die Partei - allerdings weitgehend unbemerkt, galt doch das Interesse der Medien vorwiegend dem Kampf um die Spitze. Auch nach dem Tod von Landeshauptmann Jörg Haider ist das Interesse der Medien aus dem In- und Ausland an den Landtagswahlen in Kärnten enorm geblieben. Beim Pressebüro des Landes ließen sich rund 200 Medienvertreter akkreditieren, bei der Wahl im Jahr 2004 waren es noch 170 gewesen. Die Journalisten interessierte am Sonntag vor allem die Frage, wie es nach Haider politisch in Kärnten weitergeht.

Angesichts der für die Grünen bedrückenden Ergebnisse war das ausbleibende Interesse aber durchaus willkommen. Betroffene Gesichter hält niemand gern in die Kameras.

Auf Geschenke aus Salzburg brauchte die Parteichefin schon am Samstag nicht warten. Seitdem Glawischnig eine "Solidaritätskandidatur" des EU-Mandatars Johannes Voggenhuber verhindert hat, hängt der Haussegen schief. Salzburgs Spitzenkandidat Cyriak Schwaighofer hat sich früh auf die Seite Voggenhubers gestellt und keinen Hehl daraus gemacht, dass er Glawischnigs Entscheidung als Fehler ansieht. Fazit: Wahlkampfauftritte der Parteichefin blieben die Ausnahme, stattdessen durfte Voggenhuber ran - und seine Unterstützer wie Peter Pilz, der diesmal sehr aktiv war, in Salzburg wie auch in Klagenfurt.

Voggenhubers Aus dürfte aber nicht das einzige Problem des gelaufenen Salzburger Wahlkampfes gewesen sein. Differenzen dürfte es auch zwischen der Landesgruppe und die Bürgerliste in der Stadt gegeben habe. Die Folge war, dass zwei unterschiedliche Plakatlinien affichiert wurden.

Ob die Grünen nun aus der selbstgestrickten Krise herausfinden, bleibt offen. Der EU-Wahlkampf bis Juni droht jedenfalls zur Zitterpartie zu werden. Dass einer der wichtigsten Parteistrategen, Bundesparteisekretär Lothar Lockl, kürzlich seinen Rückzug angekündigt hat, bedeutet eine zusätzliche Schwächung. Lockl galt auch als Querverbinder, der für die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Partei sorgte.

Die noch anstehenden Landtagswahlen bieten ebenfalls keinen heiteren Ausblick: In Oberösterreich, wo im Herbst gewählt wird, sind die Grünen in einer Regierungskoalition mit der ÖVP. Die Aussichten, überhaupt wieder einen Regierungssitz zu erringen, sind aber nicht sonderlich rosig. Mit dem Erstarken der FPÖ würden die Grünen rausfliegen - ein fatales Signal auch auf Bundesebene. (DER STANDARD-Printausgabe, 2.3.2009)

Share if you care.