Déjà-vu in Mogadischu

1. März 2009, 18:17
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Im gescheiterten Staat wird nun das islamische Recht eingeführt - Ein Kommentar von Adelheid Wölfl

Das Land hat zwar seit einem Monat einen neuen Präsidenten, Sheik Sharif Sheik Ahmed lässt sich aber von anderen die Politik diktieren. In Somalia wird nun auch offiziell die Scharia eingeführt - praktisch hat die islamistische Jugendmiliz al-Shabaab dies bereits in einigen Teilen des Landes getan. Ein Déjà-vu in der Geschichte des gescheiterten Staates.

Die Scharia war bereits 2006 eingeführt worden, als die Union islamischer Gerichtshöfe, aus der sich al-Shabaab später abspaltete, die Macht übernahm. Einer ihrer Gründer war Sheik Ahmed. Der Mann, der damals als Feind der Übergangsregierung galt, wird nun international als gemäßigter Islamist und Hoffnungsträger beklatscht. Was ist passiert? 2006 hat die äthiopische Armee mit Rückendeckung der USA versucht, die Islamisten zu vertreiben. Dabei sind sie allerdings voll und ganz gescheitert. Die Äthiopier zogen wieder ab und hinterließen ein Land, in dem noch radikalere Kräfte Zulauf bekommen.

Somalis im Land und die somalische Diaspora in den USA sind über die US-Politik zornig, weil sie nur zu vielen Toten und hunderttausenden Flüchtlingen geführt hat. Sie trauen den Islamisten noch am ehesten zu, eine Art Ordnung in die Anarchie zu bringen. Doch diese Ordnung wendet sich gegen die grundlegendsten Freiheiten. Sie ist nicht Grundlage für den Frieden, sondern verstärkt nur die Repression, die das Land im Griff hat. Es geht schon so weit, dass sich kürzlich sogar der UNO-Sonderbeauftragte Ahmed Ould Abdallh für eine Nachrichtensperre einsetzte. (Adelheid Wölfl / DER STANDARD Printausgabe, 2.3.2009)

 

 

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