Winters Werk und Loitzls Beitrag

1. März 2009, 18:14
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Mit drei Medaillen schloss Österreich das wahrhaft winterliche nordische Championat in Liberec ab - die Springer behübschten viele Baustellen

"Der Schnee" , sagt Anton Innauer, "hat vieles zugedeckt in Liberec." Genauso wie die längste winterliche Niederschlagsperiode in Nordböhmen seit Menschengedenken ideale Erklärungen lieferte für größere und kleinere Mängel in der Organisation der ersten nordischen WM im ehemaligen Ostblock, genauso behübschten Innauers Skispringer die Gesamtbilanz des österreichischen Skiverbandes. Die Baustellen sind eher größer denn kleiner geworden in den zwei Jahren seit Sapporo, wo ebenfalls nur die Skispringer (mit einmal Gold und einmal Bronze) angeschrieben hatten.

Dass die Kombinierer ihr mit vier Bewerben umfangreichstes WM-Programm aller bisherigen (und auch kommenden) Zeiten nicht nutzen konnten, zu wenigstens einer Medaille, wird Konsequenzen haben, vermutlich auch personelle. Innauer hält Cheftrainer Alexander Diess immerhin noch zugute, dass die Situation eine schwierige war, vor und zu Beginn dieser Saison.

Der Unfalltod von Teammitglied Alfred Rainer, Erkrankungen, Verletzungen und die Umstellung auf den neuen Modus, der die Langläufer bevorzugt, setzten Diess' Truppe zu. Mario Stechers Sieg in Seefeld verleitete zu Selbsttäuschung. Nach dem letzten Bewerb, jenem mit dem Springen von der Großschanze, zog der 32-jährige Steirer selbst das quasi letztgültige Fazit: "Zu kurz gesprungen, zu lange gelaufen."

Während die Kombinierer zumindest eine Chance haben, bei den Olympischen Spielen im nächsten Jahr in Vancouver wieder zur Spitze zu gehören, ist die Situation im Langlauf verfahren. Der ÖSV besitzt infolge der Olympiaskandale mit Ausnahme von Christian Hoffmann keine konkurrenzfähigen Athleten. Katerina Smutna war in ihrer alten Heimat nicht weit weg vom WM-Tourismus, den die Herren Manuel Hirner, Harald Wurm und Martin Stockinger lebten. Der Nachwuchs braucht nach Schätzungen von Cheftrainer Bernd Raupach noch Jahre.

Zumindest das Elend der Langläufer geht Sportdirektor Innauer nichts an. Da ist ein Herr namens Dietmar Miklautsch zuständig. Der auch im Komitee für Regeln und Kontrolle des internationalen Skiverbandes sitzende Nachfolger von Markus Gandler wirkte zuweilen desorientiert in Liberec. So wusste der 59-jährige Kärntner, Fliegenfischer wie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, zwei Tage vor dem Rennen nicht, dass Skiwechsel gestattet sein würden im abschließenden Herren-Marathon.

Immer mehr möglich

Im Sprunglauf entscheidet zuweilen mehr die Witterung als die Menschen. Was möglich gewesen wäre am Freitag im Abbruchspringen auf der Großschanze, brauchte der Mannschaftsbewerb am Samstag nicht extra beweisen. Wolfgang Loitzl war der Beste eines der Konkurrenz haushoch überlegenen Quartetts. Der 29-jährige Steirer ist nun nach WM-Goldmedaillen der erfolgreichste Skispringer, in Vancouver soll die erste Olympiadekoration her. "Wenn es dort nicht klappt, muss ich eben bis Sotschi weitermachen", sagt er.

Das Prädikat "perfekt", das ihm Innauer schon nach dem Tourneesieg umgehängt hat, will er noch nicht akzeptieren. Das gelte vielleicht für den Ab- und den Aufsprung, aber sicher nicht für die Flugphase. "Da habe ich noch Möglichkeiten." Und auch im athletischen Bereich sei immer mehr drinnen. Klar ist, dass Loitzl an seiner Vorbereitung nichts ändern wird. "Wenn man es mir gestattet", will er wieder im B-Kader, abseits der Goldkollegen, arbeiten. An der Zustimmung von Innauer ist nicht zu zweifeln. (Sigi Lützow aus Liberec - DER STANDARD PRINTAUSGABE, 2.3. 2009)

 

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    Morgenstern, Koch, Schlierenzauer, Loitzl - die vier haben gut lachen, sie holten Österreichs zweites WM-Gold in Liberec.

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