Der Patriarch aus dem Südburgenland

1. März 2009, 18:04
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In mancherlei Hinsicht ist das südburgenländische Dorf Luising bemerkenswert

Eisenstadt - In mancherlei Hinsicht ist das südburgenländische Dorf Luising - ein Ortsteil der Gemeinde Heiligenbrunn - bemerkenswert. Es ist Österreichs jüngste territoriale Erweiterung. Erst im Jahr 1923 stieß das bis dahin ungarische Lovászod im Tauschweg zum 1921 formierten Burgenland.

Laut Volkszählung 2001 gibt es 135 Luisinger. Einer davon ist Alfons Mensdorff-Pouilly, der sich am Nordrand des Dörfleins eine Art Herrensitz hingebaut hat. Böse Zungen beschreiben das „Schloss" als ein etwas aus den Fugen geratenes Modell aus der blauen Lagune. Funktionell freilich ist das „Schloss" durchaus ein Schloss: die Zentrale eines ansehnlichen Gutes, das neben 250 Hektar Ackerland 2500 Hektar Jagdgebiet umfasst, in das immer wieder eine illustre Gästeschar zum noblen Vergnügen geladen wurde.

Im September des Vorjahres zum Beispiel zur - reiterlichen - „5. Luisinger Fuchsjagd", die immerhin unter Otto Habsburgs Schirmherrschaft und dem Ehrenschutz von Landeshauptmann Hans Niessl stand.

Was dem Obmann des „Verbandes land- und forstwirtschaftlicher Gutsbetriebe im Burgenland" vorgeworfen wird, will in Luising niemand glauben. Oder eigentlich: will ihm keiner zum Vorwurf machen. Aus dem einfachen Grund, dass „der Graf" sich in gütig-patriarchalischer Weise um die Menschen gekümmert hat. Kein geringes Verdienst in einer ökonomisch so benachteiligten Gegend.
„Hat jemand Arbeit gebraucht", sagt einer, „dann hat er seine Beziehungen spielen lassen".

Nicht wenige seien aber auch direkt „bei der Herrschaft" beschäftigt gewesen, in der Fasan- und Entenzucht, bei den Jagden, im Schloss, in der Land- und Forstwirtschaft. Allerdings ist die Finanzkrise auch an Luising nicht vorbeigegangen. In Eisenstadt hört man, dass Mensdorff-Pouilly für seine Beschäftigten Kurzarbeit beantragt hat. Das sei vom AMS abgelehnt worden.
Über die Zukunft dieser Arbeitsplätze wird nun wohl ein Gericht zumindest mitentscheiden. (wei, DER STANDARD, Printausgabe, 2.3.2009)

 

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