BZÖ stellt Anspruch auf Landeshauptmann

1. März 2009, 19:22
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Für Dörfler ÖVP "erster Ansprechpartner" - Lange Gesichter bei SPÖ - Bundeskanzler Faymann sieht Wahlziel nicht erreicht

Klagenfurt - Für Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) ist nach der Kärntner Landtagswahl die ÖVP "erster Ansprechpartner" bei den Regierungsverhandlungen. Diese sei neben dem BZÖ immerhin der Gewinner des Wahlsonntags, meinte er bei einer Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten in Klagenfurt. Allerdings seien auch eine "neue SPÖ" und die Grünen mögliche politische Partner im Land, schloss Dörfler nichts aus.

Martinz sah die ÖVP sogar als "Hauptgewinner" der Kärntner Landtagswahl angesichts der Zugewinne. Als ein Wahlverlierer sieht sich hingegen eindeutig Grünen-Chef Rolf Holub, der aber einen eventuellen Rücktritt von weiteren Analysen abhängig machte: "Wenn wir zum Schluss kommen, dass der Holub schuld ist, dann wird er natürlich Konsequenzen ziehen." Für SPÖ-Chef Reinhart Rohr war der "Haider-Faktor" wesentlich für die Niederlage verantwortlich.

Großer Jubel

Nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse und Trends für die Landtagswahl in Kärnten ist in der BZÖ-Zentrale in Klagenfurt am Sonntagnachmittag großer Jubel aufgebrandet, entsprechend lang waren hingegen die Gesichter bei der SPÖ. "Wir werden als Nummer eins garantiert den Landeshauptmann-Anspruch stellen", sagte BZÖ-Landesparteichef Uwe Scheuch. Er erklärte, als Landeshauptmann-Stellvertreter zur Verfügung stehen zu wollen.

Der Wähler habe ein klares Wort gesprochen. Es sei auch ein Sieg des verstorbenen Landeshauptmanns (Jörg Haider, Anm.), meinte Regierungschef Gerhard Dörfler (BZÖ). Auf die Frage, ob er nun Landeshauptmann bleiben werde, brandete in der Parteizentrale Jubel auf. Scheuch rief laut: "Garantiert." Ob Scheuch nach dem sich abzeichnenden Erfolg nun Obmann der Bundespartei werden will, wollte er nicht beantworten. "Wir werden das in den nächsten Tagen in Ruhe diskutieren", meinte er.

Claudia Haider von Ergebnis "zutiefst beeindruckt"

Claudia Haider, Witwe des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider, hat es sich am frühen Sonntagabend nicht nehmen lassen, persönlich im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung aufzutauchen. Sie zeigte sich über das starke Abschneiden des BZÖ "zutiefst beeindruckt". "Es ist ein Zeichen der Anerkennung für meinen Mann und seine Politik", sagte Haider vor Journalisten.

Das Wahlergebnis sei auch für ihre Familie "ein großer Beweis der Anerkennung". Sie nehme den Ausgang der Wahlen "dankbar" zur Kenntnis, erklärte die Witwe. Sie überreichte Landeshauptmann Gerhard Dörfler ein gerahmtes Foto, auf dem Jörg Haider gemeinsam mit Dörfler zu sehen ist.

ÖVP zufrieden

Zufriedenheit machte sich bei der ÖVP breit. "Der erste große Stein ist abgefallen", sagte Parteichef Josef Martinz in einer ersten Reaktion. Auf die Frage, ob er nun Dörfler zum Landeschef wählen wolle, meinte er: "Das schließe ich nicht aus." Trotzdem müsse erst das Endergebnis abgewartet werden.

Faymann: Wahlziel in Kärnten nicht erreicht

Bundeskanzler SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann sieht in Kärnten das Wahlziel seiner Partei nicht erreicht. Angesprochen auf die Ergebnisse der Landtagswahl mit teils schweren Verlusten für die SPÖ sagte Faymann Sonntag abend nach der Sitzung des Sonderrats der 27 EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel: "Es zeichnet sich ab, dass die SPÖ in Kärnten beim Nationalratswahlergebnis liegt. Aber das Wahlziel ist nicht gelungen".

Rudas: "Sondersituation"

"Es stimmt, dass wir in Kärnten verloren haben, eine Enttäuschung ist sicher da. Ich hätte mich über einen Wechsel gefreut", sagte auch Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas im ORF. Reinhart Rohr als SPÖ-Spitzenkandidat ins Rennen zu schicken sei schon in Ordnung gewesen, immerhin habe es in Kärnten eine "Sondersituation" gegeben, so Rudas.

Grüne: "Guter Erfolg"

Die grüne Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny sagte zum Wahlausgang in Kärnten: "Es gab eine Materialschlacht der Sonderklasse." Die zwei Mandate in Kärnten zu halten sei aber "ein guter Erfolg".

Wiedervereinigung mit FPÖ für BZÖ "kein Thema"

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl hielt fest: "Es ist klar, dass das eine letzte Ehrerbietung an den verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider war. Die Umfragen hatten wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Es wurde ein Kopf an Kopf-Rennen herbeigeschrieben."

Dem BZÖ ein "großartiges Ergebnis" gelungen, die Zugewinne hätten alle überrascht und erfreut, erklärte Obmann Herbert Scheibner. Den Avancen von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache, der erneut eine mögliche Wiedervereinigung des freiheitlichen Lagers in den Raum gestellt hatte, erteilte er gleichzeitig eine klare Absage.

"Es gibt überhaupt keine Diskussion über eine Fusion. Wir kooperieren mit allen konstruktiven Kräften, aber das ist kein Thema. Die Menschen haben bewusst das BZÖ gewählt", so Scheibner. Eine Wiedervereinigung würde einer "Missachtung" des Wählerwillens gleichkommen. Die Trennung der Parteien habe "Gründe" gehabt, stellte der Bündnisobmann fest. (APA)

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    Feierstimmung beim BZÖ.

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    Claudia Haider gratuliert Gerhard Dörfler.

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