Wiener Weiberkram

1. März 2009, 17:00
posten

Dass die Wienerinnen nicht nur nette Wäschermädel sind, sondern auch taffe Geschäftsfrauen und Weltreisende, zeigt ein Spaziergang am Weltfrauentag

Heimat bist du großer Söhne. Ja, wissen wir. Gustav Klimt, Johann Strauß, Mozart, Beethoven, Siegmund Freud und der Kaiser - ganz Wien ist voll mit Männer, die zweifellos großartiges geleistet haben und auf die man mit gutem Grund stolz sein kann.

Was aber ist mit Wienerinnen? Haben sie etwa keine herausragenden Leistungen erbracht? Das Maria-Theresien-Denkmal erinnert an die große Kaiserin, Sisi gibt es, mehr oder weniger authentisch, an allen Straßenecken zu sehen. Und dann? Dann kommt nicht mehr viel an Informationen über die großen Töchter der Stadt. Aber im Laufe der Geschichte hat Wien eine Reihe großartiger Frauen hervorgebracht, deren Andenken leider nicht ganz so hoch gehalten wird, wie jenes ihrer männlichen Kollegen.

Die Fremdenführer des Vereins Wiener Spaziergänge nehmen den 8. März, Weltfrauentag, zum Anlass, eine ganz besondere Führung durch die Stadt zu veranstalten. "Wienerinnen: Bekannte und unbekannte Frauen Wiens " trifft man hier auf Schritt und Tritt, vorausgesetzt man weiß, wohin man selbige lenken muss.

Zigarrenqualm im Sacher

Da wäre zum einen Anna Maria Sacher, die mit Mädchennamen Fuchs hieß. Sie war die Tochter eines Fleischhauers und heiratete Eduard Sacher, seines Zeichens Gastronom und Hotelier. Das Hotel Sacher, eröffnet 1876, übernahm sie nach dem Tod ihres Mannes 1892 und verhalf dem Haus, dank ihrer Kenntnisse und ihrem resoluten Wesen, zu weltweiter Berühmtheit. Sie liebte Zigarren und Französische Bulldoggen. Besonders beliebt war sich auch unter den so genannten „Sacherbuben", reiche Adelige, die noch nicht geerbt hatten, und bei ihr großzügige Kredite genossen. "Der Herr im Haus bin ich", soll Anna Maria Sacher gesagt haben. Auf den Spuren dieser Grand-Dame der Wiener Hotellerie wandeln die Fremdenführer am 8. März.

Eine weitere Station sind die Frauen des Ersten Weltkrieges, derer nicht mit Gedenktafeln und Heldenstatuen gedacht wird. Versteckt findet man auf dem Weg durch Wien ein Hinweisschild "für die mutigen Frauen des 1. Weltkrieg".

Abenteurerin und Buchautorin

Wenig bekannt ist auch Ida Pfeiffer, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Wien lebte. Während viele Männer, die sich auf Reisen begaben, von den daheim gebliebenen bewundert wurden und werden, wird die Geschichte der Ida Pfeiffer selten erzählt. Das Kind einer wohlhabenden Wiener Familie las schon in frühen Jahren mit Vorliebe Reiseliteratur und träumte von Abenteuern und Expeditionen in ferne Länder. Im Alter von 44 Jahren brach Ida Pfeiffer zu ihrer ersten Reise auf, die sie nach Palästina und die benachbarten Länder führte. Anonym veröffentlichte sie ihr erstes Reisebuch mit dem Titel: Reise einer Wienerin in das Heilige Land, das zu einem großen Publikumserfolg wurde.

Weitere Reisen führten sie in den Norden Europas. Auch zu diesen Reisen erschien ein Buch mit dem Titel: Reise nach dem skandinavischen Norden. Es folgten zwei Weltreisen, von denen sie ebenfalls jeweils in einem Buch berichtete. Ihre letzte Reise führte sie dann nach Mauritius und Madagaskar, ehe sie 1858 in Wien an den Folgen der Malaria starb. Ida Pfeiffer kann als Vorfahrin aller ReisejournalistInnen bezeichnet werden und spielte im Bereich der Reiseliteratur eine absolute Vorreiterrolle. Die Führung am 8. März begibt sich auf die Spuren der außergewöhnlichen Wienerin.

Salonbesitzerin in Öl

Zu einem gewissen Grad an Berühmtheit gelangte Emilie Flöge, Schneiderin, Modeschöpferin, Geschäftsfrau, begehrtes Mitglied der Wiener Bohème und Lebensgefährtin des Malers Gustav Klimt. Er verewigte sie in mehreren Bildern und setzte damit ihr und sich selber ein Denkmal. In der Mariahilfer Straße führte sie einen Salon, der vom Architekten Josef Hoffmann entworfen worden war und im Jugendstil ganz dem Zeitgeist der Jahrhundertwende entsprach. Bei dem Spaziergang durch Wien am 8. März erfährt man, wie Emilie Flöge in der damaligen Gesellschaft gelebt hat und was es bedeutete, einen Salon zu führen.

Außerdem begeben sich die Fremdenführer auf die Spuren von Jetty Treffz, der ersten Frau von Johann Strauß, die die langjährige Geliebte des Bankiers Baron Todesco war. Mit ihm hatte sie sechs uneheliche Kinder. Schließlich heiratete sie den "schönen Schani", wie Johann Strauß genannt wurde. Die Frauen um Kaiser Franz Joseph und eine Nobelpreisträgerin sind ebenfalls Teil der Spaziergangs durch Wien, der zwar ein Spaziergang über, aber nicht nur für Frauen ist. (derStandard.at/ham/1.3.2008)

Termin:
"Wienerinnen: Bekannte und unbekannte Frauen Wiens."
Treffpunkt: 1. Bezirk, Ecke Kärtnerstraße/Mahlerstraße (Ringstraßengalerien)
Termin: 8. März, 15 Uhr 30
Dauer: etwa 1 ½ Stunden
Kosten: 13 Euro, WienKarten-Besitzer 12 Euro, Kinder bis 14 Jahre 7 Euro
Eine Anmeldung ist nur für Gruppen notwendig.

Informationen:
Tel.: 0664 630 3904 oder 01 485 97 13
E-Mail: husapr.geographie@univie.ac.at
Wienguide - Verein Wiener Spaziergänge

  • Emilie Flögge - Geliebte, Geschäftsfrau und eine Dame der Bohème.
    foto: zenodot verlagsgesellschaft mbh

    Emilie Flögge - Geliebte, Geschäftsfrau und eine Dame der Bohème.

  • Anna Maria Sacher - ihrem resoluten Auftreten verdankt das Sacher seinen, bis heute, weltweiten Bekanntheitsgrad.
    foto: wienguide.at

    Anna Maria Sacher - ihrem resoluten Auftreten verdankt das Sacher seinen, bis heute, weltweiten Bekanntheitsgrad.

  • Zigarren und Bulldoggen waren Anna Sachers große Leidenschaften.
    foto: wienguide.at

    Zigarren und Bulldoggen waren Anna Sachers große Leidenschaften.

Share if you care.