Mönch setzte sich aus Protest in Brand

1. März 2009, 14:22
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Laut Menschenrechtsgruppen von Sicherheitskräften angeschossen - Angeblich Protestaktionen in mehreren Klöstern

Peking - In einer Protestaktion gegen die chinesische Regierung hat sich ein tibetischer Mönch mit Benzin übergossen und angezündet. Daraufhin sei der Buddhist von Sicherheitskräften beschossen worden, erklärten die Organisation Free Tibet, die Internationale Kampagne für Tibet (ICT) und die Website phayul.com am Samstag. Der Vorfall habe sich bereits am Freitag in Aba in der westchinesischen Provinz Sichuan ereignet. Der Mönch sei nach den Schüssen mit einem Kleinbus abtransportiert worden, möglicherweise in eine Klinik.

Der Mann protestierte laut ICT dagegen, dass die Regierung seinem Kloster die Feier eines traditionellen Festes verboten habe. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, dass sich am Freitag ein Mann in Aba in Brand gesteckt habe und im Krankenhaus behandelt worden sei, nachdem die Polizei die Flammen gelöscht habe. Der Mann habe Verletzungen an Kopf und Hals. Die Region Aba ist für internationale Journalisten nicht zugänglich.

Laut dem New Yorker Verein "Students für a Free Tibet" hatte die Polizei in der Nähe des Klosters Kirti etwa tausend Mönchen den Zugang zum Gelände verwehrt. Die meisten Mönche folgten daraufhin dem Rat ihrer Ältesten, auseinanderzugehen. Einer von ihnen, der eine tibetische Flagge mit dem Bild des Dalai Lama getragen habe, habe sich jedoch angezündet. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte die Selbstanzündung des Mönchs, nicht aber die angeblichen Polizeischüsse. Im Xinhua-Bericht hieß es lediglich, die Polizei habe das Feuer gelöscht.

Spannungen gestiegen

Knapp ein Jahr nach den Unruhen in Tibet sind die Spannungen in den von Tibetern bewohnten chinesischen Regionen offenbar deutlich gestiegen. In der vergangenen Woche gingen paramilitärische Truppen gegen Demonstranten in Lithang in der Provinz Sichuan vor. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden mehrere Menschen verletzt und mehr als 20 Demonstranten festgenommen.

Nach Berichten vom Freitag haben chinesische Sicherheitskräfte wegen einer Mahnwache tibetischer Mönche auch ein buddhistisches Kloster in der Provinz Qinghai umstellt. Niemand dürfe das Kloster von Lutsang betreten oder verlassen, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. Zum tibetischen Neujahrsfest Losar hatten sich mehr als hundert Mönche mit Kerzen in der Hand vor der Präfekturverwaltung von Guinan zu einem kurzen Protest versammelt. In Qinghai befindet sich auch das berühmte Kloster Kumbum, eines der vier wichtigsten Zentren des tibetischen Buddhismus. 1996 war es in Kumbum zu schweren Übergriffen der kommunistischen Behörden gekommen. Mönche und Novizen wurden monatelang eingesperrt und gefoltert.

Am 10. März jährt sich der Tibet-Aufstand zum 50. Mal. Im vergangenen Jahr war der Jahrestag Anlass für wochenlange Unruhen. Dabei kamen nach offiziellen Angaben 22 Menschen ums Leben. Tibetische Aktivisten schätzen jedoch, dass die Zahl der Todesopfer weit höher lag.

China besetzte Tibet im Jahr 1950. Nach dem gescheiterten Aufstand gegen die Besatzungsmacht im Jahr 1959 floh der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, nach Indien. Im September 1965 erklärte China das Himalaya-Gebiet zur Autonomen Region Tibet und setzte in der Hauptstadt Lhasa eine Regionalregierung ein.

Mehrere Anläufe zu einer Verständigung zwischen dem Dalai Lama, der beteuert, nur eine Autonomie Tibets innerhalb des chinesischen Staatsverbands anzustreben, und der Regierung in Peking sind bisher erfolglos geblieben. Die jüngste Gesprächsrunde zwischen Bevollmächtigten des Dalai Lama und der chinesischen Regierung wurde im November ergebnislos abgebrochen. Peking warf dem tibetischen Exil-Oberhaupt vor, nach wie vor einen "Geheimplan" zur Erlangung der Eigenstaatlichkeit Tibets zu verfolgen und auch die Unruhen im März 2008 angezettelt zu haben. Die Gesprächsrunde war im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking auf internationalen Druck zustande gekommen. (APA/AP/AFP)

 

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