Gottwald sieht Handlungsbedarf

1. März 2009, 13:25
14 Postings

Doppelolympiasieger ortet Defizite der Österreicher bei Springen wie Langlauf - Innauer relativiert Kritik an Cheftrainer Diess

Liberec  - Reduziert man die bisherige Trainertätigkeit von Alexander Diess als ÖSV-Cheftrainer der Nordischen Kombination auf seine WM-Bilanz, dann liegen kritische Gedanken auf der Hand. Denn die Auftritte der Kombinierer fallen bei der Analyse der 47. Nordischen Weltmeisterschaften in Liberec eindeutig in die Kategorie "Enttäuschung". Auch Doppel-Olympiasieger und ORF-Fachkommentator Felix Gottwald äußerte gewisse Bedenken und sieht weniger als ein Jahr vor den Olympischen Spielen dringenden Handelsbedarf.

"Die Enttäuschung ist insoferne groß, weil wir ja nicht nur knapp an der Medaille gescheitert sind, sondern wirklich vier Mal eindeutig. Das tut auch mir weh, weil natürlich die Kombination immer noch einen Riesenplatz in meinem Herzen hat", sagte der Salzburger, der vor zwei Jahren als bisher erfolgreichster ÖSV-Kombinierer vom aktiven Sport zurückgetreten ist. Derzeit seien die Athleten im Laufen und Springen im Hintertreffen und man müsse sich überlegen, wie man dies schnellstmöglich beheben könne. "Es stehen Olympische Spiele vor der Tür, da geht's auch wieder um Medaillen."

Trainieren genügt nicht

Ob man das Trainerteam in Frage stellen solle, beantwortete Gottwald indirekt. "Das ist der natürliche Lauf. Es hat in Sapporo keine Medaille gegeben und hier auch nicht." Dafür gäbe es einen Nordischen Direktor, der agieren müsse. "Es ist vor allem eine sehr sensible Sportart. Es genügt nicht, dass man trainiert wie ein Springer oder Langläufer. Es braucht einen mit wirklich viel Fingerspitzengefühl. Dann hast du eine Chance, dass du den Spagat, den du täglich machen musst als Kombinerer, schaffst."

Der angesprochene Nordische Direktor wird die Problematik freilich nicht voreilig abhandeln. "Grundsätzlich haben wir Jahresverträge und es muss jedes Jahr über Trainer neu entschieden werden", so Innauer. Bei Alexander Diess müsse man zwischen Erfolgsbilanz und der geleisteten Arbeit unterscheiden. "Er hat unter besonderen Bedingungen anfangen müssen. Wir haben ihn ja fast gezwungen, Trainer zu werden, weil in einer ganz schwierigen Situation ein vorgesehener Kandidat abgesprungen ist und wir alle sehr froh waren, dass er diesen Sprung ins kalte Wasser macht", erklärte Innauer.

"Dann hat er Probleme geerbt, für die er überhaupt nichts kann: einmal ist das größte Talent ist tödlich verunglückt, dann haben wir Verletzungen gehabt, die die Vorbereitung empfindlich gestört haben.  Außerdim ist mit  David Kreiner, den wir unbedingt für diese WM vorgesehen gehabt hätten, dann so schwerwiegend erkrankt, dass er die ganze Saison ausfällt. Da wird es schon schwer."

Haben die Österreicher möglicherweise auf die Modus-Umstellung (in allen Bewerben nur noch ein Sprung und 10 km Langlauf) nicht richtig reagiert?  Innauer: "Für mich war die Laufleistung gar nicht so schlecht. Wir haben nur zu viel Belastung aus dem Springen mitgenommen, die wir hätten aufholen müssen. "Es ist eher interessant, dass die Sprungform nicht unseren Ansprüchen und dem österreichischen Niveau entsprochen hat." (APA/red)

Share if you care.