Beirut: "March Of The Zapotec / Realpeople: Holland"

1. März 2009, 17:01
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Frische Ware vom Mexikoplatz: Mexikanisch-balkanischer Verschnitt, mit Synthie-Experimenten gepanscht

Ganz schlau wird man aus Zach Condon nicht. Ein wenig hinterlässt das neue Album seiner Band Beirut den Eindruck, dass hier der musikalische Fetzentandler Einzug gehalten hat. Was nichts Schlechtes zu bedeuten hat. Schließlich könnte Condon, so ein weiterer Eindruck, derzeit wohl kaum etwas falsch machen. Solange er nicht - und da liegt im Falle von "March Of The Zapotec / Realpeople: Holland" die Krux - krampfhaft versucht, zu viel künstliche Atmosphäre in den mitunter blutleeren Arrangements unterzubringen. Keine kleine Aufgabe, schließlich besteht das neue Oeuvre aus gleich zwei Alben: "March Of The Zapotec" klingt klassisch beirutesk, "Realpeople: Holland" hingegen besteht aus Elektro-Versuchen des Teenagers Zach Condon.

Für sein drittes Album hat der 23-Jährige US-Amerikaner einen für seine Verhältnisse epochalen Paradigmenwechsel vorgenommen. Nicht Frankreich und auch nicht Osteuropa sind das durchgehende Bild, das Condon zeichnet. Er ist nach Mexiko gefahren. Und hat dort eine Begräbniskombo erster Güte entdeckt, The Jiminez Band. Ein 19-köpfiges Monstrum von Blaskapelle, allesamt wohl Meister ihres Faches, nicht nur in Mexiko. Interessant wird das Album, respektive dessen erster, Beirut-konventioneller Teil, vor allem in den Momenten, wo die Mexikaner es schaffen, Condons vermeintliche Vorgabe balkanisch zu klingen über Bord werfen.

Dann verliert das Album seinen etwas krampfhaften Touch, der über weite Strecken leider dazu führt, an einen übel gelaunten Goran Bregovic denken zu machen. Wer sich auf einen Nachfolger des Beirut-Miniaturhits "Nantes" von seinem 2007er-Album "The Flying Club Cup" gefreut hat, wird aber etwas enttäuscht sein, klassische Songs mit Condons Stimme finden sich auf "March Of The Zapotec" kaum - und auf dem elektronischen Twin "Realpeople: Holland" schon gar nicht. Wobei - "La Llorona" schafft das im Zusammenspiel mit der famosen The Jiminez Band eigentlich eh ganz gut.

Wer wissen will, wie Beirut ohne Blasmusik klingt, erhält im zweiten Teil des Albums, also "Realpeople: Holland", Einblick in die Welt des jungen Zach Condon. Synthie-Klänge und Drummachine jagen um die Wette, gar nicht unbehände, irgendwie geht Condons markante Stimme aber in den meisten Stücken unter. Ein Konzept ist nicht wirklich zu erkennen, aber das ist bei Fetzentandlern ja meistens so. Anspieltipp im zweiten Teil ist "The Concubine", wo Akkordeon, ein Spielzeugklavier und Trompete viel dazu beitragen, Beirut trotz allem gern zu haben. "March Of The Zapotec / Realpeople: Holland" von Beirut ist im Pompeij-Label erschienen und wird hierzulande von Hoanzl vertrieben. (flon)

 

  • Beirut: "March Of The Zapotec / Realpeople: Holland" (Pompeii/Hoanzl 2009)
    foto: pompeii

    Beirut: "March Of The Zapotec / Realpeople: Holland" (Pompeii/Hoanzl 2009)

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