Microsoft und die Doppelmoral

28. Februar 2009, 14:56
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Xbox-Profile dürfen keinen Aufschluss über sexuelle Orientierung geben - Zwiespältig: "theGayergamer" verbannt, "Killman" darf bleiben

Während Politiker in Deutschland immer heftiger gegen Videospiele mit gewalttätigen Inhalten wettern, muss man sich als Europäer in den USA über ganz andere Absurditäten wundern. Dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem jeder "mündige" Bürger eine Waffe Besitzen darf, ein zwiespältiges Verhältnis zur Sexualität hat, ist bekannt. Beispielsweise beherbergt man die größte Pornoindustrie der Welt und weigert sich aber Prostitution zu legalisieren. Oder man erfindet und vermarktet Fernsehserien wie "Baywatch", stoppt aber den Verkauf des brutalen "Grand Theft Auto: San Andreas" als bekannt wird, dass man durch einen kleinen Trick verpixelte Brüste zu sehen bekommt.

Die moralischen Werte werden eben bedarfsweise hoch gehalten, wie auch der jüngste Fall im Hollywood der Videospiele zeigt, so der Webblog The Consumerist:

Wertvorstellungen

Microsofts Onlinedienst Xbox Live ist das Zuhause von Millionen Spielern und Spielerinnen weltweit, wenn es darum geht mit- oder gegeneinander Videospiele für Xbox 360 zu zocken. Genau wie am PC oder auf anderen Konsolen (PlayStation 3 und Wii) teilt man sich einen Usernamen zu und erstellt ein Profil - eine virtuelle Identität, welche die spielerische Präsenz vertritt.

Der Kreativität werden keine Grenzen gesetzt, sogar ein Bild und ein Avatar spiegeln das Ich im Netz wieder. Ob "Animago", "BigBoss" oder gar "Killman" - fast alles ist erlaubt.

Doch in US-Foren machen User seit Kurzem ihren Unmut breit. "theGayergamer" beklagt aus Xbox Live verbannt worden zu sein, angeblich würde sein Name gegen die Nutzungsrichtlinien verstoßen. Microsoft fordere ihn auf, seinen Namen zu ändern.

"Teresa", ebenfalls eine Xbox-Spielerin wurde kürzlich aus dem Netzwerk verbannt, da ihr Profil eindeutig auf ihre homosexuelle Orientierung hinwies.

Bestätigung

Microsoft bestätigte sein Vorgehen mittlerweile gegenüber Joystiq:

  • "As stated in the Xbox Live Terms of Use, a member may not create a gamertag or use text in other profile fields that include comments that look, sound like, stand for, hint at, abbreviate, or insinuate content of a potentially sexual nature. Profiles that do are asked to change the language and suspended until changes are made. In regards to sexual orientation, for gamertags or profiles we do not allow expression of any type of orientation, be that hetero or other. Players can, however, self identify in voice communication where context is more easily explained to all players involved.
  • "Harassment of any kind is not condoned and is taken very seriously; we strongly encourage Xbox Live members to immediately report inappropriate behavior through the compliant tools in the service so that it can be investigated and the appropriate action taken."
  • "The Xbox Live community grows daily, and we continue to explore methods and levels of enforcement to enhance the ways our members connect and have fun, while adhering to a code of conduct that encourages respect and keeps the service safe and fun for all our members."

Demnach verbietet der Konzern jegliche Anspielungen sexueller Natur und erlaubt im User-Profil auch keine Angaben zur sexuellen Orientierung - egal welcher Art.

Moral

Der weltgrößte Softwarehersteller bemüht sich demnach, sein Spielenetzwerk jugendfrei zu halten und verbannt "Anstößigkeiten". Dass im gleichen Netz dafür Spieler unterwegs sind, die sich "Killman" oder "Killerm@ster" nennen, scheint aber nicht zu stören.

Und so zeigt sich auch in einem modernen Medium, dass althergebrachte US-Moralvorstellungen nicht aufgebrochen werden können, wenn auf der einen Seite Gewaltepen wie "Gears of War" propagiert werden und man auf der anderen Seite sexuelle Offenheit verbannt. (zw)

  • Keine sexuellen Anspielungen mit Microsoft.
    quelle: the consumerist

    Keine sexuellen Anspielungen mit Microsoft.

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