Wer das kommunistische Osteuropa erlebt hat ...

27. Februar 2009, 20:08
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... kann nur lachen über Vorschläge wie die des Attac-Autors Felber, "die Banken zu vergesellschaften"

Ein erster, nicht zu unterschätzender Erfolg für Österreich: drei internationale Finanzinstitutionen mit der Weltbank an der Spitze pumpen 25 Milliarden Euro in das osteuropäische Bankensystem. Das ist praktisch die erste Tranche für ein "Osteuropa-Stabilisierungspaket", wie Faymann/Pröll propagiert haben. Empfänger werden auch Nicht-EU-Staaten wie die Ukraine, nicht aber Russland sein.

Die Einsicht, dass man Osteuropa nicht untergehen lassen darf, hat gesiegt. Weitere Mittel werden folgen (müssen). Das ist auch eine gute Nachricht für österreichische Banken, die in Osteuropa stark engagiert sind. Wenn das System dort stabilisiert wird, ist auch die Gefahr für die aushaftenden Kredite geringer.

Dennoch war in den letzten Wochen viel, zum Teil auch berechtigte, Kritik am Engagement der Österreicher in Osteuropa zu hören. Es klang auch durch, warum man denn diesen Ostlern helfen müsse.

Das ist der alte Fluch des österreichischen Provinzialismus. Die österreichischen Banken, Versicherungen und Unternehmen sind nach Osteuropa gegangen, weil sie es mussten. Die alten (Inlandsmärkte) waren weitgehend gesättigt. Und irgendwer muss schließlich die Frühpensionen bezahlen.
Osteuropa hätte aber auch Hilfe gebraucht und bekommen, wenn unsere Banken brav zu Hause geblieben wären. Der Fall des Kommunismus, der im Frühsommer vor 20 Jahren begann, ist eines der größten Wunder der Weltgeschichte. Das darf man nicht dem Unfall einer Finanzkrise überlassen. Was in den vergangenen 20 Jahren geschehen ist, war eine der größten Investitionen zugleich in die Freiheit der Menschen wie in die wirtschaftliche Entwicklung.

Ich weiß, wovon ich rede. Ich war schon vor dem Fall des Kommunismus immer wieder in der Sowjetunion, in Polen, Ungarn, der damaligen Tschechoslowakei, in Jugoslawien, übrigens auch in Kuba. Und seither auch. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Wer das kommunistische Osteuropa erlebt hat, mit seinem geistig und wirtschaftlich erstickenden System, mit diesem zwischen Lächerlichkeit und Brutalität schwankendem "real existierenden Sozialismus", in dem nur die Armut und die Perspektivenlosigkeit "gerecht" verteilt war, der kann nur lachen über Vorschläge wie die des Attac-Autors Felber, "die Banken zu vergesellschaften". Wurde alles schon probiert und hat im totalen, kompletten Bankrott geendet. Der "Ostblock" ist implodiert, weil er komplett, systemisch, nachhaltig, unrettbar pleite war, so pleite wie diese Staaten in der Marktwirtschaft heute nie sein können. Die "vergesellschafteten" Systeme haben nicht einmal die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln geschafft.

Die früheren kommunistischen Länder haben immer noch einen immensen Aufholbedarf und daher Wachstumspotenzial. Dieses Wachstum trägt sich großteils selbst, aber es ist gefährdet durch politische und wirtschaftliche Schwächen, auch durch Korruption und Abenteurertum. Das ändert keine Minute etwas daran, dass Hilfe für diesen Raum die beste Investition ist. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 28.2./1.3.2009)

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