"Dann platzt der Deal"

27. Februar 2009, 19:10
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Der Einstieg der Deutschen bei der maroden AUA steht auf wackeligen Beinen

Sollte die EU Auflagen machen, würden die Deutschen aussteigen, sagt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber.

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Wien - Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber stellte am Freitag eines klar: Wenn die EU den Staatszuschuss von 500 Mio. Euro nicht bewilligt oder Auflagen für die Übernahme macht, "dann platzt der Deal", sagte Mayrhuber zu Reuters.

Einsprüche bei der EU kündigten bereits Niki Lauda, Air France/KLM und Ryanair an. Lauda hält die staatliche Mitgift für wettbewerbsverzerrend. Geplant ist, dass die Republik Österreich nach der EU-Freigabe 500 Millionen Euro mittels einer Kapitalerhöhung in die verschuldete Austrian Airlines Group einschießt.

Mahnung an Lieferanten

"Es wird enger für die AUA", sagte Klaus Walther, Chef der Lufthansa Konzernkommunikation, im Gespräch mit dem STANDARD. Die Lufthansa habe im Dezember 2008 ein Kaufangebot gelegt, "an das wir uns halten, weil wir solide Vertragspartner sind, wenngleich sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dramatisch geändert haben. Wir gehen davon aus, dass der Vertrag eingehalten wird, wozu auch gehört, dass die Verkehrsrechte in wichtige Gebiete gesichert sind und die EU den Deal ohne Auflagen genehmigt."

Walther mahnte die Lieferanten wie den Flughafen oder die OMV, ihren Beitrag zur AUA-Sanierung zu leisten. "Wer das Drehkreuz und den Standort erhalten will, muss seinen Beitrag leisten." "Es müssen dramatische Aktionen passieren, damit nicht das Schlimmste eintritt" , warnte Walther. Anfang nächster Woche dürften die geplanten Sparmaßnahmen bei der Belegschaft fixiert werden.

Die wirtschaftliche Lage der AUA hat sich seit dem Vertragsabschluss abermals verschlechtert. So wird für 2008 ein Gesamtverlust von bis zu 475 Mio. Euro erwartet. Die Aussichten für die nächsten Monate sind mehr als schlecht. Ob sich die marode Airline - wie der Vorstand versichert - bis zum Closing des Deals über Wasser halten kann ist ungewiss. Gut möglich, dass der Staat zusätzlich zu den 200 Mio. Notkredit noch einmal Geld nachschießen muss.
Von diesen 200 Mio. sind derzeit noch 113 Mio. vorhanden. Mit dem Geld müssen stichtagsbezogen Schulden getilgt werden. Sollte es jedoch zur Abwehr einer drohenden Insolvenz nötig sein, kann die AUA aus dem Geld auch zwei mal zehn Mio. Euro zur Deckung von Finanzbedarf aus dem operativen Geschäft ziehen. Die ersten zehn Millionen musste die AUA bereits im Jänner 2009 in Anspruch nehmen; die zweite Tranche soll im März folgen.

Angebot an Streubesitz

Doch selbst mit diesen Finanzspritzen könnte der Einstieg der Lufthansa gefährdet sein. Denn in der schärfsten Krise der Luftfahrt müssen auch die Deutschen auf ihr Kreditrating achten und die Übernahme der verschuldeten AUA gegenüber den eigenen Aktionären rechtfertigen. Mit jedem Tag, an dem die AUA mehr Geld verbrennt, wird die Übernahme unwahrscheinlicher.

Die Lufthansa hat jedenfalls am Freitag ihr Angebot für den Streubesitz veröffentlich. Vom 2. März bis 11. Mai können die Kleinaktionäre ihre AUA-Aktien an die Lufthansa zum bereits festgelegten Kurs von 4,49 Euro verkaufen. Am Freitag stieg der AUA-Kurs um 15 Prozent auf 3,97 Euro.

Mit ihren Pensionisten soll sich die AUA über eine Nachzahlung der Firmenpension geeinigt haben, die falsch bzw. zu niedrig ausbezahlt wurde. Die Einigung kam nach der Drohung der Betroffenen die Angelegenheit vor Gericht zu bringen. Angeblich muss die Airline zehn Mio. Euro nachzahlen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2./1.3.2009)

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