Das Auto als Beziehungskiste

27. Februar 2009, 18:56
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St. Pölten - Der Schauplatz Highway als amerikanischer Topos für Freiheit und Beweglichkeit definiert im Kino ein eigenes Genre. Den Begriff des "Roadmovie", in dem das Unterwegssein auf der Straße auf das Unterwegssein im Leben verweist, muss man gelegentlich fürs Theater entlehnen. Besonders gut argumentiert ist dies dann, wenn der Autor Neil LaBute und das Stück Autobahn heißt.

Der aus Detroit stammende Film- und Theaterautor wie -regisseur Neil LaBute hat im letzten Jahrzehnt mit frostigen Dialogstücken das europäische Publikum an die privaten Abgründe des amerikanischen Mittelstands herangeführt. Bash etwa, ein Drama über die Beiläufigkeit des Tötens, wurde von Theater heute zum besten fremdsprachigen Stück gewählt.

Dagegen erweist sich Autobahn als zahm: In sechs Szenen dient das Fahrzeug als Beziehungskiste. Das Landestheater Niederösterreich legt nun die österreichische Erstaufführung vor - mit einem famosen Ensemble: Julia Schranz, Christine Jirku, Klaus Haberl und - als Arbeitsloser mit Tiefgang: Oliver Rosskopf (!).

Antje Hochholdinger hat zwei Autositze auf die Werkstattbühne geschnallt. Sie deuten jenen Binnenraum eines Wagens an, in dessen Enge und erzwungener Nähe es zu zugespitzten Dialogen kommt: Eine Mutter und ihre Tochter auf der Rückfahrt vom Antidrogencamp; ein Uni-Beau und seine Freundin beim Schlussmachen; oder: eine Geschäftsfrau, die versucht, ihrem Gatten den Seitensprung "schonend" beizubringen.

Hochholdinger variiert die modellhafte Gesprächssituation ohne Anstrengung, durchbricht sie behände etwa mit einem Song (Bang, Bang, My Baby Shot Me Down) und bannt in kleinen Schritten jede Gefahr abgeflachter Beziehungskistenprosa. Wer das noch kann, hat ganz klar gewonnen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/ Printausgabe, 28.02/01.03.2008)

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