Getäuscht und vertauscht

27. Februar 2009, 18:58
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Der Fasching ist vorbei, Zeit die Dinge wieder zurechtzurücken

Der Fasching ist vorbei, Zeit die Dinge wieder zurechtzurücken. Fangen wir mit Cary Grant an. Auf ihn wiesen wir in der Switchlist am vergangenen Samstag hin, als wir "Brokeback Mountain" anpriesen: "Ang Lee demontiert in 130 Minuten den Western Mythos von John Wayne, Cary Grant und anderen Hollywood-Pistoleros." Cary Grant hat viele Herzen gebrochen, jedoch nicht mit der Pistole. Gemeint war wohl Gary Cooper, der ist uns als einsamer Marshal in "High Noon" in Erinnerung.

Etwas peinlicher ist es gelaufen, als wir am Mittwoch über die anstehenden Postenneubesetzungen im Außenministerium berichteten. Für die Leitung der diplomatische Akademie habe sich auch die frühere Botschafterin in Washington, Helga Nowotny, beworben, schrieben wir. Gemeint war Eva Nowotny, die außenpolitische Beraterin zweier Bundeskanzler war, ehe sie Österreich als Botschafterin in Frankreich, Großbritannien und seit 2003 in den USA vertrat. Helga Nowotny ist Vizepräsidentin des Europäischen Forschungsrates. Sie war von 1996 bis zu ihrer Emeritierung 2002 Professorin für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich.

Dann sollten wir uns noch Mascha Kalèko zuwenden. "Viele seiner Gedichte wurden als Chansons vertont", schrieben wir in den Radiotipps. Mascha Kalèko war eine Frau, 1897 in Galizien geboren und ist 1975 in Zürich verstorben.

Doch selbst in den vermeintlich ewigen Dingen können wir irren. Vor Monaten schon haben wir den K2 und den Gasherbrum IV, etwas später den Dobratsch und den Mittagskogel verwechselt, diese Tradition haben wir im RONDO fortgesetzt. Der dort als Große Zinne in den Sextener Dolomiten (Italien) abgebildete Berg ist tatsächlich die Aiguille Dibona im Dauphiné in den französischen Alpen. Spitz ist der gezeigte Berg allemal, eine "Nadel" eben, es hätte allerdings auffallen können, dass unserer vermeintlichen Großen Zinne links und rechts ein Gipfel zum Gesamtbild der Drei Zinnen fehlte.

Zurück in die Niederungen, dort gibt es auch kuriose Verdrehungen zu korrigieren. Wir schrieben über die sozialen Unruhen auf Guadeloupe, die Nachricht kam angeblich aus Port-de-France. Es gibt aber nur ein Forts-de-France, das ist die Hauptstadt von Martinique - die Weltgegend, kleine Antillen, ist wenigstens richtig. Es gibt auch ein Pointe-au-Pitre, das ist die Hauptstadt von Guadeloupe, das auch zu den Inseln überm Wind gehört - und der Anfangsbuchstabe P beim Hauptstadtnamen stimmt ja.

Wie so etwas zustande kommt ist mysteriös - oder misteriös, wie wir in einem Kulturbericht über den Roman von Thomas Stangl "Was kommt" zu schreiben beliebten. (Otto Ranftl/DER STANDARD, Printausgabe, 28.2./1.3.2009)

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