Alexander Pointner

27. Februar 2009, 18:49
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Der die Adler unter seinen Fittichen hat

Der Mann mit der Fahne am Trainerturm, der Mann mit den Pizzen für seine Burschen im TV-Werbespot. Alexander Pointner, seit 2004 Cheftrainer der österreichischen Skispringer, füllt beide Rollen mit jugendlicher Leichtigkeit aus. Das ist kein Wunder, ist der weltweit Erfolgreichste in seinem Metier doch erst vor etwas mehr als 38 Jahren in Grieskirchen zur Welt gekommen.

Die Eltern zogen bald danach nach Innsbruck, weshalb "Pointex" , wie er gerne genannt wird, oft Verwunderung erntet, wenn er seinen Geburtsort verrät.
In Liberec erfuhr Pointner durch Wolfgang Loitzls Sieg auf der Normalschanze seine berufliche Vollendung. Nur ein Einzelweltmeister hatte ihm noch in der Sammlung gefehlt. Olympiasiege im Einzel und mit der Mannschaft, den Triumph bei der Vierschanzentournee (ebenfalls von Loitzl besorgt), den Weltcup-Gesamtsieg (Thomas Morgenstern) und WM-Erfolge mit der Mannschaft, ob nun auf Groß- oder Flugschanzen, hatte er davor schon bejubelt. Oft ausgelassen, wie es eben seine Art ist.

Diese Art mag auch die eigene Karriere etwas behindert haben. Pointner war ein recht begabter, aber kein erfolgreicher Skispringer. Die Karriere ging ohne großen Sieg und zwei Jahre nach einem Oberschenkelbruch 1997 zu Ende.
Schon als Aktiver begann er seine Trainerausbildung. Sie verfolgte er hartnäckiger als ein Pädagogikstudium. Zum Stamser Ehrendiplompädagogen hat es Pointner dennoch, vor eineinhalb Jahren, gebracht. Da war der ehemalige Assistent von Alois Lipburger und Anton Innauer längst schon selber Chef einer Mannschaft, die seinen während der Karriere enttäuschten Ehrgeiz vollauf befriedigte.

Die Mannschaft hat für ihn "immer oberste Priorität. In etlichen Teamsportarten wird immer mehr individualisiert, ich gehe halt den umgekehrten Weg." Damit versucht der Datenfreak, der seit Jahren jeden Sprung seiner Athleten speichert, die leistungshemmende Dominanz eines Einzelnen zu vermeiden. Dass das mit Typen wie Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer nicht einfach ist, weiß der verheiratete Vater von vier Kindern im Alter zwischen neun Monaten und zwölf Jahren.

Aber gerade deshalb will Pointner auch nach Olympia 2010 in Vancouver, wenn sein Vertrag endet, mit der Truppe weiterarbeiten. Die Sozialkompetenz seiner Springer ist ihm wichtig. Deren Entwicklung sei weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. "Es wäre feige von mir, nach diesen Erfolgen zu gehen." (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 28.2. 2009)

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