Requisitenrevue beim Happy Meal

27. Februar 2009, 18:41
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Im Jugendstiltheater startet das Netzzeit-Festival mit einer japanischen Opera buffa

Wien - Unstillbarer Hunger plagt Kuni und seine Frau Miya. In seiner Jugend hat Kuni (Hans-Jürg Rickenbacher) dem "unterdrückerischen" japanischen Lebensstil abgeschworen und als Müßiggänger eine Bäckerei überfallen. Der Bäcker, ein Bote aus Wagners Opernwelt, belegte ihn mit einem Fluch, der jetzt nur mit einem weiteren Überfall gebannt werden kann.

Und weil Yohanan Kaldis Libretto zur Kammeroper Die große Bäckereiattacke auf Kurzgeschichten des japanischen Erfolgsautors Haruki Murakami basiert, ist mit Wagner bald wieder Schluss. Miya (Sumi Kittelberger) hat sich in eine Kämpferin in enger Lederkluft verwandelt, die mit einem Gewehr bei McDonald's fast drei Dutzend Fertiglaibchen erbeutet. Das soll den metaphysischen Hunger stillen.

Misato Mochizuki, die immerhin Sätze wie "Hab's satt, bin weg und lerne kreativ schreiben" vertonen muss, hat sich in einer guten Stunde durch die moderne Operngeschichte komponiert, Wetterrauschen, Blasenblubbern und Motorenlärm mit Wagner-Zitaten gespickt und so eine Fastfood-Kurzoper geschaffen, die immer auf der leichtfüßigen Seite bleibt (es spielt das Luzerner Sinfonieorchester unter Johannes Kalitzke).

In seiner Inszenierung zum Auftakt des Netzzeit-Festivals "Out of Control" schickt Michael Scheidl den Herrenchor des Luzerner Theaters in immer neuen Kostümen über die Bühne: als krabbelnde Taucher, vermummte Schneemänner, orientierungslose Soldaten oder vorbeiziehende Leuchtreklamen. Mit kurzweiligem, comichaftem Sketch- und Bildüberangebot ergibt das eine unzusammenhängende und leider auch witzlose Requisitenrevue. (Isabella Hager, DER STANDARD/ Printausgabe, 28.02/01.03.2008)

28. 2., 20 Uhr

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