Urheimat garantiert

27. Februar 2009, 18:22
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Wenn der Kärntner Wahlkampf nichts anderes zutage gefördert hat als die seelischen Befindlichkeiten einiger Protagonisten, ist schon viel für die Folklore des Landes gewonnen

Wenn der Kärntner Wahlkampf nichts anderes zutage gefördert hat als die seelischen Befindlichkeiten einiger Protagonisten, ist schon viel für die Folklore des Landes gewonnen. Genau genommen ist das Ganze ja weniger eine Wahl im verfassungsrechtlichen Sinn, mit rationalen Entscheidungsmöglichkeiten, sondern eher der Erbschaftsstreit um einen toten Spitzenkandidaten. Da werden naturgemäß tiefe Gefühle frei. Emotionen spielen im Leben von Stefan Petzner (28) von jeher eine große Rolle, widmete sich die "Österreich"-Beilage "Madonna" kürzlich den inneren Qualitäten dieses Solarbeaus. Galten sie im Rahmen seiner Wahlkampagnen für Jörg Haider stets als Erfolgsgeheimnis, schossen ihn eben diese nach dessen Tod am 11. Oktober (und Petzners Pressekonferenz) beinahe ins politische Out. Mit den grässlichsten Folgen: Mit ein Grund, dass der nunmehrige NR-Abgeordnete und Landtagswahlkampfleiter seither den Namen seines "Lebensmenschen" kaum mehr in den Mund zu nehmen wagt. Verständlich - wer will schon von emotionsärmeren Konkurrenten gänzlich ins politische Out geschossen werden, nur weil er sich einmal emotional ins Knie geschossen hat. Auch im Interview mit MADONNA bittet Stefan Petzner um Verständnis, dass er nicht über seine Trauer spricht.

Da der öffentliche Bedarf daran hinlänglich gedeckt ist, hat "Madonna" Verständnis, aber nicht ohne sich ablenken zu lassen: Sie setzen auch in diesem Wahlkampf wieder stark auf Emotionen, rennt das Blatt bei Petzner offene Türen ein: Ich glaube, dass das Bauchgefühl beim Wähler wichtig ist. Er soll nur nicht zum Denken kommen, was ja bekanntlich eher im Kopf stattfindet. Daher versuche ich, dieses Bauchgefühl anzusprechen. Nämlich mit der Macht des Wortes, wie etwa "Deinetwegen Österreich" bei der Nationalratswahl oder wie jetzt bei der Landtagswahl mit dem Wort "Garantiert", ein Wort, das eine enorme Kraft in sich birgt.

Sichtlich zermalmt von der enormen Kraft des Wortes "Garantiert" will "Madonna" wissen: Wie kann man sich Ihre Arbeit konkret vorstellen? Eigentlich ganz einfach: Ich vergleiche meine Arbeit immer mit der eines Künstlers, eines Musikers oder Malers. Da haben die Musen schon ein Wörtchen mitzureden. Eine Kampagne ist ein kreativer Prozess, für den man Geduld haben muss. Es dauert oft Tage und Wochen, bis ich die zündende Idee - zum Beispiel "Garantiert" - habe.

Will Petzner das Bauchgefühl beim Wähler ansprechen, so versucht es Strache in der "Neuen Freien Zeitung" bei den lieben Kärntnerinnen und Kärntnern mehr mit dem Darmgefühl. Auch wenn es nur schwer zu glauben ist: Es ist eine traurige, aber unabänderliche Tatsache, dass an diesem 1. März kein Jörg Haider mehr zur Wahl steht. Man spürt die Trauer Straches, endlich in die Fußstapfen des definitiv Unwählbaren treten zu können, fast körperlich in den Darmzotten. Er, der dieses wunderbare Land mit dem überragenden Vertrauen der Menschen nach vorne gebracht, er, der es gerechter und stärker gemacht hat, er, der immer für alle Sorgen und Nöte da war und zugehört hat, ist nicht mehr.

Wäre er noch, Strache wüsste nicht, was er sagen sollte, um sich ihm gleichzeitig anzuschmeißen und von ihm abzugrenzen. Und trotzdem, es muss weitergehen, in seinem Sinne, nachdem er zu Lebzeiten des Nachvornbringers jedes Zusammengehen ausgeschlossen hatte. Das politische Leben ist hart. Jeder Einzelne von uns weiß: Es gibt im Leben Zeiten für Trennendes und es gibt Zeiten für Verbindendes. Und so ist es auch mir und Jörg Haider ergangen. Nur dass sich der gegen die Nibelungentreue des Leichenfledderers nicht mehr wehren kann.

Auch er will Erbe sein. Wenige Tage vor seinem Tod hatte ich noch die Gelegenheit zu einer sehr persönlichen Aussprache mit Jörg Haider. Wir sind darin aufeinander zugegangen. Und ich habe deutlich gespürt, dass auch er das Gemeinsame über das Trennende stellen wollte und das Bemühen um Versöhnung ein gegenseitiges war. Mehr als dieses vage Gespür ist davon nicht geblieben, umso unverschämter muss man es verwerten: Allen, auch dem BZÖ, ist längst klar, dass die FPÖ die Urheimat aller Freiheitlichen ist. Das BZÖ hat seine Funktion verloren.

Eigentlich, streut Strache, hatte Haider mit dem BZÖ nichts mehr am Hut. Bis zum Schluss wollte Jörg Haider eine Vereinigung in der Urheimat. Jetzt sind wir gefordert, diesen Auftrag umzusetzen. Unter der Führung von Mario Canori. Was wird mehr ziehen: "Garantiert" oder Urheimat, Bauch oder Darm? Morgen wissen wir's. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 28.2./1.3.2009)

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