"Bei Brückner gibt es Defizite"

27. Februar 2009, 18:21
64 Postings

Leo Windtner tritt das Amt des ÖFB-Präsidenten an und stellt dem Teamchef die Rute ins Fenster

Wien - Am Samstag, um elf Uhr oder auch ein paar Minuten später, gibt Leo Windtner im Wiener Hotel Intercontinental seine erste Pressekonferenz als Präsident des österreichischen Fußballbundes. Davor hievt ihn die außerordentliche Bundeshauptversammlung noch schnell ins Amt, die Wahl ist maximal Formsache, der 58-jährige Windtner ist längst designiert. Und die obersten Fußballer des Landes wollen ganz nebenbei als Einheit rüberkommen.

Kurt Ehrenberger, der nach Friedrich Sticklers Rücktritt den Laden vier Monate lang interimistisch geschupft hat, darf wieder ausschließlich Wiener Verbandschef sein. Tosender Applaus wird dem 75-Jährigen gewiss sein. "Ich bin froh, dass ich es nicht mehr machen muss."

Am Tag vor der Kür hielt sich die Aufregung Windtners in Grenzen, der Boss der Oberösterreich Energie AG sagte dem Standard: "Es geht um einen Energieschub für den Fußball. Dafür stehe ich, das ist mein Motto, das habe ich als oberösterreichischer Verbandschef bewiesen." Details seines Programms wollte er nicht verraten. "Das wäre unhöflich jenen gegenüber, die mich wählen. Sie müssen bis Samstag warten." Ob er seine Amtszeit mit einem Paukenschlag, zum Beispiel der Ablöse des Teamchefs Karel Brückner beginnt? "Ich bin ein Macher, aber ich bin ein Macher mit Herz. Bei Handlungsbedarf wird auch gehandelt. Ich bin jedoch kein Freund von Schnellschüssen."

Windtner kündigte an, das WM-Qualifikationsspiel am 1. April in Klagenfurt gegen Rumänien noch abwarten zu wollen, ehe er eine Entscheidung treffen wolle. "Was im Falle einer Niederlage passiert, ist wohl klar. Das darf nicht von finanziellen Dinge abhängen. Eine notwendige Handlung soll nie am Geld scheitern." In der nächsten Woche werde er ein ausführliches Gespräch mit Brückner führen. "Er soll mir seine Perspektiven erklären. Brückner hat das Recht, gehört zu werden." Sollte er, Windtner, nicht überzeugt werden, "sind Überlegungen vor dem 1. April nicht auszuschließen. Das wäre kein Wortbruch."
Das Engagement Karel Brückners sei eine Idee von Vorgänger Stickler gewesen. "Ich habe mich nie geoutet - weil der Präsident den Teamchef aussuchen soll. So halte ich es auch in Zukunft." Was Windtner an der momentanen Situation missfällt: "Es gibt Defizite in der Kommunikation, und es herrscht eine schiefe Optik. Brückner pflegt keine Kontakte zu den Klubtrainern. Und ein Spiel zwischen Salzburg und Rapid könnte man sich schon im Stadion anschauen. Er hat ja keinen TV-Arbeitsplatz. Das werde ich ansprechen."

Auf der Hauptversammlung am Samstag wird auch die ÖFB-Strukturreform abgesegnet, die Entscheidungsgremien werden verkleinert, der bisherige Generalsekretär Alfred Ludwig wird zum Generaldirektor befördert. Windtner: "Es gibt einen klaren Auftrag an meine Person: neuer Wind, neuer Spirit." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 28.2. 2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Präsident an Teamchef: "Er soll mir seine Perspektiven erklären."

Share if you care.