Tanzender Spielball

27. Februar 2009, 18:15
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Werbefrei, keine Quotenmessungen: In Österreich kann der gebeutelte Gebührenzahler angesichts solcher Forderungen nur müde lächeln

Wieder einmal melden sich besorgte Beobachter zu Wort, die den Qualitätsverfall des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufhalten wollen, diesmal in Deutschland. Das Online-Magazin Fernsehkritik.tv startete eine Kampagne unter dem Motto "Dafür zahl ich nicht" , um den boulevardesken Zügen in ARD und ZDF entgegenzutreten. Absolut werbefrei müsse das Programm werden, und es dürfe keine Quotenmessungen geben, etat.at berichtete.

In Österreich kann der ORF-gebeutelte Gebührenzahler angesichts solcher Forderungen nur müde lächeln. Eine Utopie, die da formuliert wird, weit weg wie Atlantis. Keine Quoten, nur Qualitätskriterien - das muss auch unheimlich fad klingen für eine Institution, die mit Leidenschaft auf jedem Kirtag tanzt, sich nie klar deklariert und damit leicht zum politischen Spielball wird.

Längst verflogen sind Träume sortenreiner Kanäle, einer TV-Variante von Ö1, gerne mit ergänzendem Kommerzkanal mit viel Werbung, US-Serien und "Dancing Stars", um notwendiges Geld aufzutreiben. Keine Rede von klarer Positionierung, um der Unterhaltungskonkurrenz von Web 2.0, Mobil-TV, Videospielen und Seriendownloads zu begegnen.

Apropos Dancing Stars: "Die bisherigen vier Sieger Marika Lichter, Manuel Ortega, Klaus Eberhartinger und Dorian Steidl treffen sich zu einem unterhaltsamen Austausch von Erinnerungen und Anekdoten", steht im Freitag-Programm. Der eitelste aller Kirtage.  (Alois Pumhösel, DER STANDARD; Printausgabe, 28.2./1.3.2009) 

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    In Österreich kann der ORF-gebeutelte Gebührenzahler angesichts nur müde lächeln.

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