Blitzkredite werden zur Kostenfalle

27. Februar 2009, 18:08
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Konsumenten suchen neue Geldquellen - Kreditvermittler wittern gute Geschäfte

Wien - Wer bei Banken mit Kreditwünschen abgewiesen wird, dem eröffnet sich eine Vielzahl an Hintertüren. Den Weg weisen Kleinanzeigen, auf Bäume gespickte Flugzettel und schummrige Geschäftslokale, rund um Wiener Bahnhöfe etwa. Von Blitzkrediten von bis zu 100.000 Euro ist da die Rede, bürgenfrei versteht sich. Mit Zinssätzen von gerade einmal 4,2 Prozent. Auch für jene, denen die Bank den Kredithahn längst abgedreht hat.
Von den Banken fließt nach wie vor Geld an Konsumenten. Die Bedingungen für die Vergabe haben sich freilich verschärft. Die Bonität der Haushalte werde stärker abgeklopft, zeigt ein neuer Test der Arbeiterkammer bei neun Großbanken. Ohne Sicherheiten, vom Sparbuch bis zur Lebensversicherung, gehe nichts mehr. Der Kosten- und Zeitaufwand, um an frisches Kapital zu kommen, habe sich erhöht.

Kredithaie sterben aus

Viele Österreicher weichen nun auf Ratenzahlung aus, überziehen ihre Girokonten oder vertrauen auf Kreditvermittler, sagt AK Konsumentenschützer Harald Glatz. Das ruft schwarze Schafe auf den Plan.
Der klassische Kredithai, der aus einem Tresor im Hinterzimmer ein Bündel Geldscheine ziehe und mit Zinssätzen in Höhe von 40 Prozent versehe, sei selten geworden und nur mehr der Unterwelt zuzuordnen, sagt Alexander Maly von der Wiener Schuldnerberatung. Unseriöse Geschäftspraktiken seien jedoch nach wie vor gang und gäbe.
Konsumentenkredite, die an vielen Bankschaltern mit sieben Prozent Zinsen zu haben seien, kosteten bei Vermittlern mitunter doppelt so viel, weiß Maly. Gesetzlich erlaubt sind Provisionen von fünf Prozent auf die Nettokreditsumme. Doch da bleibe es nicht immer, bestätigt Glatz. Da würden plötzlich Zusatzspesen für die Bearbeitung geltend gemacht, zunehmend auch hohe Pönalen bei Stornos verlangt. In Summe käme der vermeintliche Billigkredit meist teuer zu stehen.

Das Kreditwachstum bei den unteren Einkommensschichten sei allein auf Kreditvermittler zurück zu führen, ist Maly überzeugt. Sie seien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei jenen Kunden involviert, die ihre Schulden nicht begleichen könnten. Den Weg über die Branche suchten auch viele Migranten. Sie blitzten am Bankschalter häufiger ab als Österreicher, Einblicke ins Kreditwesen fehlten. Maly erzählt von einer ganzen Szene an Leuten, die gut davon lebe, Vermittlern Neukunden zuzutreiben.

Geschätzt 16.000 Kreditvermittler sollen in Österreich aktiv sein. Auch im Internet machen sich ausgehend von Deutschland entsprechende Börsen breit. Als Geldgeber fungieren teils Private. Kredite von Mensch zu Mensch, so die Slogans.

Es fragten auch bei ihm derzeit mehr Leute um Kredite an, erzählt Robert Knotzer, der Vermögensberater führt unter FVP zwei Filialen in Wien. Seine Kunden seien aber bonitätsstark, betont er. Was sie zu ihm führe, seien schlicht die besseren Konditionen. Gerade in Zeiten wie diesen sei es wichtig, dass bei der Kreditbeschaffung geholfen werde, meint Philipp Bohrn vom Fachverband der Finanzdienstleister. Dass es in seiner Branche mehr schwarze Schafe gebe als in anderen, das weise er klar zurück.

Lukrative Kooperation

Die Banken leben von Vermittlern gut. "Bringen sie gute Kunden, sagen wir nicht nein" , heißt es bei der Erste Bank. Bank Austria hat 2500 Vermögensberater als Partner, für den mobilen Vertrieb sorgt eine Tochter. Damit würden weiße Flecken abgedeckt, die die Filialen nicht erreichten. Die Bonitätsprüfung obliege aber der Bank, sagt ein Sprecher. An den Vergabekriterien habe sich nichts geändert. In den vergangenen Wochen sei die Nachfrage an Krediten aber gesunken.  (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2./1.3.2009)

  • Wen Banken abweisen, der landet vielfach bei Kreditvermittlern. Konsumentenschützer warnen vor schwarzen Schafen.
    foto: standard/fischer

    Wen Banken abweisen, der landet vielfach bei Kreditvermittlern. Konsumentenschützer warnen vor schwarzen Schafen.

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